ZEIT: Steuersubventionen für Hausangestellte – ist das nicht der ziemlich plumpe Versuch eines Wahlgeschenks an die Klientel der FDP?

Solms: Mein Vorschlag ist gar nicht auf eine Klientel gerichtet. Es geht darum, daß es heute schon gut zwei Millionen illegaler Arbeitsverhältnisse in den Privathaushalten gibt. Ich möchte, daß wenigstens ein Teil dieser Arbeitsverhältnisse legalisiert wird, und zwar in Haushalten mit minderjährigen Kindern oder pflegebedürftigen Familienmitgliedern.

ZEIT: Der Steuerabzug muß dann aber doch so groß sein, daß es für eine Familie billiger ist, ihre Haushaltshilfe legal mit allen Nebenkosten zu bezahlen als bisher schwarz ohne.

Solms: Das ist in der Tat das Problem. Der Unterschied zwischen brutto und netto ist heute so groß, daß es nur sehr schwer ist, einen für beide Seiten attraktiven Anreiz zur Legalisierung zu schaffen. Das geht nur, wenn der Steuerabzug eine gewisse Größenordnung erreicht. Wenn eine Haushaltshilfe bisher 500 Mark im Monat schwarz verdient, dannmüßte sie künftig offiziell über 1000 Mark verdienen, damit es netto für sie attraktiv bleibt. Man muß aber auch einkalkulieren, daß sie dadurch einen eigenen Anspruch auf Sozialversicherung erwirbt.

ZEIT: Wie wollen Sie das konkret erreichen?

Solms: Ein Weg wären die Sonderausgaben im Steuerrecht. Da sind ja heute schon Teile der privaten Lebensführung abzugsfähig. Ein Freibetrag müßte hier mindestens 1000 Mark im Monat betragen. Man könnte die Ausgaben für die Haushaltshilfe aber auch als Werbungskosten anerkennen, denn sie sind ja eine Voraussetzung für die Berufstätigkeit eines oder beider Ehepartner. Eine Obergrenze wäre nicht nötig, denn den Steuerausfällen stehen auch erhebliche Mehreinnahmen des Staates gegenüber: einmal die Sozialabgaben – bei Hausangestellten etwa 35 Prozent des Bruttolohnes, dann zehn Prozent Lohnsteuer; zusammen also etwa 45 Prozent. Auf der anderen Seite dürfte der Steuerausfall auch etwa 45 Prozent des Bruttolohnes betragen. Sehr groß wären die Einnahmeausfälle für den Staat also nicht.

ZEIT: Wie hoch genau?