Bonn hat die Beziehungen zu den Kriegsgegnern nie abreißen lassen

Von Wolfgang Hoffmann

In einer Pressemitteilung des Kölner Bauunternehmens Strabag war ganz vorsichtig formuliert, was sich die Firma vom Waffenstillstand am Persischen Golf erhofft – "einen umfangreichen Baubedarf". Die Deutsche Presse-Agentur spann diesen Hoffnungsfaden sogleich euphorisch weiter: "Die Firma rechnet sich aufgrund ihrer Präsenz gute Chancen aus. Bauaufträge zeichneten sich bereits ab."

Den tatsächlichen Ereignissen war das ebenso weit vorausgeeilt wie den Auftragseingängen bei der Strabag. Von neuen Geschäften ist bei der Firma jedenfalls noch nichts bekannt. Vorerst basieren die Hoffnungen der Kölner auf der ganz naheliegenden Erkenntnis, daß Geld für anderes vorhanden sein wird, wenn es nicht mehr in Waffen und Munition investiert werden muß. Ansonsten will sich Strabag-Sprecher Franz Tampier "nicht an Spekulationen beteiligen". Fürs erste auch haben die Kölner noch damit zu tun, ihre bisherigen Verluste aus Geschäften mit dem Irak zu verkraften, einem der beiden kriegführenden Staaten am Golf. Weil die Abwicklung zweier Großaufträge im Irak – Flug

hafen in Basra (Auftragswert: 1,3 Milliarden Mark) und 140 Kilometer Autobahn (Auftragswert: eine Milliarde Mark) – kriegsbedingt doppelt soviel Zeit wie geplant in Anspruch genommen hat, war der Kölner Baukonzern fast an den Rand seiner Möglichkeiten geraten.

Großgeschäfte, die im Frieden gutes Geld versprechen, im Krieg jedoch leicht in die Pleite führen, mahnen zu Vorsicht und Zurückhaltung. Beide Meinungen werden von Firmen, die auf sich halten, weitgehend geteilt. So sind es seit Verkündung des Waffenstillstands für den 20. August – de facto ist er bereits in Kraft – vor allem die Medien, die den Konjunkturhimmel in der Bundesrepublik um einen neuen Exportboom in die Region am Golf erhellt sehen. Angesichts der kriegsbedingten Defizite sowohl im Iran wie im Irak liegt diese Schlußfolgerung auch nahe.

Der Krieg am Golf war teuer. Bisherige Schätzungen sprechen von 300 Milliarden bis zu einer Billion Dollar. Und teuer wird auch der Wiederaufbau. Ein japanisches Wirtschaftsinstitut hat ihn bis auf eine Stelle hinter dem Komma genau quantifiziert: Den Irak wird er 62,8 Milliarden Dollar kosten, den Iran sogar noch mehr – 88,5 Milliarden.