Für altgediente Mitarbeiter auf dem Affenfelsen, wie das Domizil des Magazins Stern an der Hamburger Äußenalster genannt wird, war es eine Sensation. Nahezu geräuschlos und mithin völlig unüblich ging bei dem Blatt Ende voriger Woche ein Revirement an der Spitze über die Bühne.

Obwohl noch gar nicht im Amt, sorgte der neue stern-Herausgeber Rolf Schmidt-Holtz zusammen mit Gerd Schulte-Hillen, dem Chef des Verlages Gruner + Jahr, für eine klare Führungsstruktur bei dem Hamburger Magazin. Das bisherige, gleichberechtigte Dreiergespann Heiner Bremer, Michael Jürgs und Klaus Liedtke wurde ausgeschirrt. Zwar behalten alle drei ihre Chefredakteursverträge, aber Jürgs ist ab sofort Primus inter pares.

Die Mehrheit der stern-Redaktion hat dem neuen Chefredakteur erster Klasse auch schon das Vertrauen ausgesprochen (Tenor: Es war höchste Zeit), und Bremer sowie Liedtke haben ihre neue Rolle bei dem Blatt akzeptiert.

Die Gasbranche, die bei ihrem erfolglosen Widerstand gegen die neue Erdgassteuer die Öffentlichkeit auf ihrer Seite wußte, muß nun um das Vertrauen ihrer Kunden bangen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt gegen die Stadtwerke Villingen-Schwenningen wegen eines Verdachts auf Betrug. Die Gasverkäufer aus dem Schwarzwald wie auch Kollegen aus anderen Teilen der Republik hatten mehr Gas bei ihren Kunden abgerechnet, als sie von ihren Vorlieferanten bezogen. Ernst Reiser, für die Freie Wählervereinigung im Rat der Schwarzwaldgemeinde, nahm diese Ungereimtheit zum Anlaß, Strafantrag zu stellen.

Der Sprecher des Unternehmens, Hans Schlenker, mag sich wegen des schwebenden Ermittlungsverfahrens dazu nicht äußern. Dafür weist Herbert Oster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), die Kritik an den Gasabrechnungen als „nicht gerechtfertigt“ zurück. Allerdings könne das komplizierte Ab- und Umrechnungssystem bei den Kunden Verwirrung stiften.

Beim BGW hat man mittlerweile festgestellt, daß die zulässigen Toleranzen bei den Meßapparaturen sich allzu häufig, zu Lasten der Kunden auswirken. Nun wollen die Gasfunktionäre sich bemühen, die Meßtechnik zu verbessern: Wie vor hundert Jahren wird in den Haushalten noch heute die verbrauchte Gasmenge mit Bälgen aus Ziegenleder gemessen.

Wieder einmal hat Peter Schuhmacher Ärger mit dem Bundeskartellamt. Die Berliner Behörde untersagte dem Chef der Heidelberger Zement AG die beabsichtigte Übernahme der Malik Baustoffe GmbH & Co KG in Regensburg. In dieser Firma hat der Baustoff-Unternehmer Paul Malik seine Exklusivverträge für den Import von Zement aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn zusammengefaßt. Würde der Branchenerste den Zugriff zu diesen Verträgen erhalten, so das Kartellamt, könnte er seine marktbeherrschende Stellung weiter ausbauen: Er wäre in der Lage, billige Ostimporte aufzukaufen und EU den höheren deutschen Preisen zu vermarkten – die Preiskonkurrenz wäre ausgeschaltet.

Indiz dafür ist eine besondere Passage im Fusionsvertrag. Darin verpflichtet sich Paul Malik, künftig keinen Zement mehr zu importieren – ein klarer Verstoß gegen das Kartellverbot, glaubt das Kartellamt. Heidelberger Zement wird gegen die Verfügung Beschwerde einlegen.

Unterdessen gehen die Ermittlungen gegen acht große Zementhersteller, darunter Heidelberger Zement, wegen des Verdachts der Bildung eines Quotenkartells weiter: Das Kartellamt hat jetzt erste Beschuldigungsschreiben an betroffene Firmen geschickt.

Drei Stunden Fußball total. Das sei das Patentrezept, um am Samstagabend den Konkurrenten scharenweise die Zuschauer abzujagen, so hatten die RTL-plus-Macher kalkuliert. Inzwischen macht sich bei dem Kölner Sender allerdings Ernüchterung breit. Die RTL-plus-Fußballschau Anpfiff nämlich findet bei weitem nicht die erhoffte Resonanz. Mangels Zuschauerinteresses mußte schon die zweite Sendung von drei auf zwei Stunden gekürzt werden. Doch den meisten Sportfans ist das wohl noch immer zu lang.

Am Ende der Sendung hatten am vergangenen Samstag nur noch zwei Prozent der möglichen Zuschauer RTL plus eingeschaltet gegenüber sechs Prozent zu Beginn. Zum Vergleich: die ARD-Sportschau bringt es trotz der privaten Konkurrenz auf 20 bis 22 Prozent. Daß im Laufe des Jahres deshalb die Sendezeit um eine weitere Stunde gekürzt wird, mag Anpfiff-lAoderator Uli Potofski nicht ausschließen. Der Sportjournalist räumt freimütig ein: „Es war von Anfang an ein Gedankenfehler zu glauben, man könne den Sport über die Klippe von 20 Uhr heben.“

Seit die große Reisewelle rollt, geht es mit dem Bleifrei-Anteil am Benzinabsatz nicht mehr aufwärts. Das hängt mit den Tankgewohnheiten der ausländischen Touristen zusammen, die stärker als die deutschen Autofahrer verbleiten Superkraftstoff tanken. Im Vorjahr hatte der Ansturm der Ausländer auf die deutschen Zapfsäulen sogar noch einen Rückgang des Bleifrei-Anteils gebracht. Der war damals nur halb so hoch wie heute – im Juli lag er immerhin bei rund 44 Prozent und ist damit seit Jahresbeginn um etwa einen Prozentpunkt gestiegen.

Nach wie vor auf Rang zehn der ZEIT-Tabelle „Die hundert größten Industrie-Unternehmen“ (ZEIT Nr. 32/88) steht die Bosch-Gruppe, die 1987 weltweit mit 160 783 Mitarbeitern einen Umsatz von 25,4 Milliarden Mark erzielt hat. Gegenüber 1986 wuchs der Umsatz um 6,5 Prozent, die Zahl der Beschäftigten stieg um 1,1 Prozent. In der ZEIT-Tabelle hatte sich leider ein Druckfehler eingeschlichen.

Rainer Hupe