Von Peter C. Hubschmid

Das Kommando ertönt, kaum daß die dreißig Herren und die eine Dame vor Schloß Gymnich aus dem Bus gestiegen sind: "Bitte die Jacken anziehen!" Die auf dem weißen Mamorkies Versammelten lassen ihre weißen Plastikköfferchen aufspringen, holen weiße Kochjacken hervor und ziehen sie über. Da sagt Frau Wörle: "Bitte auch die Mützen aufsetzen!" Die Angesprochenen leisten auch dieser Aufforderung mit Toques aus Krepp-Papier willig Folge und sind nun, da sie sich auf der Schloßtreppe zum Gruppenbild formieren, endlich für jedermann als Köche zu erkennen. Für den, der näher hinschaut, auch als besondere Köche. Denn sie tragen auf der Jackenbrust eingestickte Staatswappen.

Frau Wörle, die ein "kleines Schwarzes" und ein Sprechfunkgerät trägt, ist Teilhaberin einer Münchner PR-Agentur, von einer Firmengruppe beauftragt, diese Köche auf ihrer Tournee zu betreuen, vielmehr: zu dirigieren.

Die Köche sind die Mitglieder des "Clubs des Chefs des Chefs", des internationalen, nicht eingetragenen Vereins der Kochkünstler im Dienste von Staatschefs und Königen. Die Auftraggeber von Frau Wörle und ihrer Partner haben den Deutschlandtrip bezahlt und wollen für diese Investition als Rendite eine angemessene imageträchtige Werbewirkung sehen. Darum müssen die Reisenden ständig die weißen Köfferchen dabei haben: um jederzeit in Weiß vor den Emblemen der Sponsorfirmen posieren zu können.

Das Umkleide-Ritual klappt in Gymnich schon sehr gut. Es ist der Abend des zweiten Tages der Tournee der Chefs, sie hatten schon öfter Gelegenheit, es zu üben. Rasch und effizient, wie sie sonst ein Galadiner anrichten, schlüpfen sie in die Arbeitskluft, wann immer es verlangt wird.

An der Planung des Trips, der in der ersten Augustwoche stattfand, war monatelang gearbeitet worden. Um Hotels und Flüge zu buchen, Galadiners zu arrangieren, Busse zu mieten, einen Rheindampfer zu chartern, Photo- und TV-Termine festzunageln, Pressemappen, Einladungen und Menükarten im Glanzkarton mit goldenem "C.C.C." zu drucken.

Im kleinen Taschenprogramm, das man auch den Journalisten in die Hand gab, stand für Dienstag, den 2. August: 19.30 Empfang auf Schloß Gymnich, Abendessen. Für den kulinarischen Teil war das Team von Bernd Raths verantwortlich. Raths, Küchenchef im Bonner Steigenberger-Hotel, bekocht in der Regel in Bonn die Staatsgäste und ist deshalb Mitglied im C.C.C. Denn einen beim Staat angestellten oder gar beamteten Küchenchef gibt es weder in der Villa Hammerschmidt noch im Palais Schaumburg. Es gibt aber noch ein ordentliches Mitglied des C.C.C. in Deutschland: Werner Mertz, der in Regensburg für das leibliche Wohl des Fürsten Johannes von Thurn und Taxis und dessen Familie sorgt. Für das C.C.C.-Präsidium steht seine Durchlaucht offenbar auf der gleichen Stufe wie François Mitterrand oder Ronald Reagan.