Alle Jahre wieder. Immer das Gleiche. Vier Wochen nach erfolgreich absolviertem Urlaub klafft ein kratertiefes Minusloch auf dem Konto, das vor der Abreise doch so wunderbar wohlausgeglichen war. Daß unser am ersten Ferientag noch reich vorhandenes und stets gut verwahrtes Bargeld im Laufe des Urlaubs mysteriöserweise auf die lächerliche Summe von 20 Mark geschrumpft war – die wir wie unseren Augapfel hüten mußten, um das Taxi vom Flughafen bezahlen zu können –, hatten wir ja schon mit fassungslosem Staunen registriert. Aber wer hat die Schecks eingelöst, wer die Kreditkarten benutzt?

Wir rekonstruieren: Sind wir nicht jeden zweiten Abend in den Supermarkt spaziert, um Mineralwasser und Wein zu bunkern, weil die doch im Hotel so schrecklich teuer, im Laden indes im Sonderangebot waren? Unser gesunder Sinn fürs Haushalten hielt uns an, jedesmal gleich auf Vorrat zu kaufen. Die paar Alibidrinks im Hotel können es unmöglich gewesen sein. Wir haben ohnehin nur zur Happy hour ab und zu mal an einem Gläschen genippt, weil da die Preise günstiger sind. Natürlich mußten wir ein paar Cocktails mehr probieren, sonst hätte sich der Kostenvorteil gar nicht ausgezahlt.

Wir passen auf auf unser Geld. Auch die Silberkette samt dem schon ordinär protzigen Armreif hätten wir unter normalen Bedingungen nie erstanden. Aber es wäre doch eine Torheit gewesen, eine solche Okkasion zu verpassen, nachdem wir gefeilscht hatten wie die levantinischen Händler. Die Seidenhemden waren nun wirklich ein Schnäppchen, auch wenn sie ein bißchen arg eng sitzen und die Farben zu kreischend sind für norddeutsches Nieselwetter. Aber wenn wir vier zum Preis von drei bekommen – sparsame Leute wie wir wissen doch, daß es das Gebot der Stunde ist, zuzulangen. Für die roten Schuhe muß ich daheim – mindestens – das Doppelte hinblättern, für die blauen und die grünen ebenso. Da kann man sich einfach nicht von solchen Kleinigkeiten knechten lassen wie der Tatsache, daß sie verflixt drücken und absolut zu überhaupt keinem Kleid passen wollen, das daheim im Schrank hängt.

Darum fanden wir ja auch die Gelegenheit so günstig, das laubfroschgrüne Leinenkostüm zu erstehen, wo uns obendrein die Verkäuferin bedeutet hat, daß es vor zwei Wochen noch 50 Mark teurer war. Darauf, daß mir Laubfroschgrün nicht steht, kann ich in diesem Fall keine Rücksicht nehmen. Außerdem war es ja auch der Tag, an dem wir. die Wechselkurstabelle vergessen hatten. Und wer kennt sich schon aus mit diesen sonderbaren Tausenderscheinen, die ausschauen wie Monopolygeld.

Das Gemälde naiver Malerei, das sicher einmal ungeheuer im Wert steigen wird, eine echt gewinnbringende Investition, ruht jetzt zwar auf dem Dachboden, weil es unerklärlicherweise irgendwie nicht mit dem Mobiliar harmonieren will, aber man hat es uns ja auch billiger gegeben, weil wir cash löhnten.

Nur das Keramikgeschirr, das war wirklich das einzige, was wir uns hätten sparen können, weil ja jeder weiß, daß man sowas nicht heil heimbringt. Aber sonst, sonst haben wir diesmal wirklich gespart, und wer sparen will, kann eben nicht auf den Pfennig schauen.

Monika Putschögl