Als ich mich am Nordseestrand der Prominenten durch die Sandburgen schlängelte, hörte ich eine Dame in ihrer Sandburg gerade sagen: "Also uns kommen diese Aussiedler nicht ins Haus. Die sollen mal schön bleiben, wo sie sind, diese Rumänen, und dort das Deutschtum festigen. Wo sollen wir denn letzten Endes mit unseren türkischen Straßenkehrern hin?"

"Und was das alles kostet!" seufzte ihr Mann. "Vielleicht könnten die niedersächsischen Spielbanken das Polizei-Dealergeld für die Aussiedlerhilfe zur Verfügung stellen."

Im Weitergehen fiel mein Blick auf zwei tief im Gespräch versunkene Strandläufer: Geißler und Schäuble. Sie berieten darüber, wie man den CDU-Wählern den Umsiedlerfreikauf schmackhaft machen kann, ohne ihnen direkt Sand in die Augen zu streuen.

Ich passierte einen Strandkorb, in dem sich ein Mann den Bauch hielt. "Wenn das gestern abend", stöhnte er, "kein hormonisiertes Kalbfleisch war, dann muß es vergiftetes Robbenfleisch gewesen sein." – Ganz in der Nähe führte ein Mann eine Seoul-reife athletische Übung vor: Töpfer trainierte für den nächsten Kniefall vor der Pharmaindustrie. Neben ihm probte Engelhard, wie man Umweltkriminellen auf die Zehen tritt, ohne ihnen dabei zu nahe zu treten.

Kurz darauf fiel mir Graf Lambsdorff auf, wie er in seinem Strandkorb ein paar Giftpfeile für die Koalition präparierte und sich giftete, weil er noch immer auf sein tägliches Morgeninterview mit dem Deutschlandfunk warten mußte. Anschließend konnte ich einen tollen Balanceakt bewundern: Albrecht und Hasselmann übten den in der medizinischen Wissenschaft sehr umstrittenen, hochriskanten doppelten Rücktritt! Dabei versuchte sich Albrecht aus der Umklammerung Hasselmanns zu lösen, ohne ihn ganz fallen zu lassen, während sich dieser verzweifelt dagegen wehrte, von Albrecht in den Sand geschleudert zu werden. Ein paar Meter weiter hatte Lothar Späth bei einem Sandkastenspiel einen neuen, genialen Einfall: "Urlaub am Arbeitsplatz".

Beinahe wäre ich gegen einen Mann gelaufen, der seinen Kopf in den Sand steckte: Kohl, der sich vor den Nachurlaubsproblemen drückte. Unweit von ihm unternahm Jochen Vogel Verrenkungen, anscheinend, um sich so klein wie möglich machen zu können, wenn ihn Kohl doch noch im Handgepäck nach Moskau mitnimmt.

Hinter mir warnte eine Mutter ihre Kinder davor, ins Wasser zu gehen, weil Papis Firma hier das Abladerecht für Giftmüll besitzt; vor mir sah ich einen bebrillten jungen Mann, der wie Rust beim Freigang aussah. Aber der alte Strandwärter Uwe meinte nur: "Rust? Rust? Helfen Sie mir auf die Sprünge, war das nicht der Bursche, der..." Der Rest ertrank im Lärm eines Tieffliegers.