Administrative Mauern

Aus Osteuropa herauszukommen war lange Zeit ein großes Problem. Besonders für Polen und Ungarn ist der Grenzwechsel inzwischen wesentlich einfacher. Die Hauptschwierigkeit ist nunmehr, in den Westen herüberzukommen. Bewohner des noblen Warschauer Saska-Kepa-Viertels verlangten kürzlich von den städtischen Behörden, das Konsulat der Bundesrepublik umzusiedeln. Denn die in langen Schlangen wartenden Antragsteller für Visa verbringen oft Tage auf den Eingangsstufen dieser Auslandsvertretung, essen und schlafen da und verrichten ihre Bedürfnisse in den Vorgärten.

Spionage per Kursbuch

Fahrpläne können hochpolitisch sein. Wenn die Eisenbahn zwischen dem peruanischen Arequipa und dem chilenischen Arica nicht mehr rollt, wissen die Anwohner, daß ein lange schwelender Grenzstreit wieder aufflammt. Die Züge von Wien nach Warschau könnten die Strecke in wesentlich kürzerer Zeit bewältigen, wären da nicht die oft stundenlangen Wartezeiten an der tschechischen Grenze. Und der Warschau-Sofia-Expreß rauscht nicht wie früher durch sowjetisches Territorium, sondern muß seit kurzem eine acht Stunden längere Strecke über die Tschechoslowakei und Ungarn fahren, denn in der Gegend um Lvov befindet sich ausgerechnet das Oberkommando des Warschauer Paktes. Wie sagte doch Vernon Kell, erster Chef des britischen Geheimdienstes: "Spionage ist im wesentlichen eine Frage des Fahrplanlesens."

Afghanistanische Altlasten

Die sowjetischen Truppen ziehen ab, ihre Minen bleiben. Drei bis fünf Millionen Sprengsätze sollen nach amerikanischen Schätzungen übers ganze Afghanistan verstreut sein. Was eben noch ein Nachrücken der Freischärler verhindern sollte, fordert heute besonders unter ahnungslosen, heimkehrenden Flüchtlingen viele Opfer. Mit 10 000 Invaliden zusätzlich rechnet beispielsweise ein amerikanischer Arzt, der in einem pakistanischen Grenzlager arbeitet.

Tod in Budapest

Warum nicht auch Grabmäler gegen Devisen verscherbeln? Das dachten sich wohl findige Angestellte des "Hauptstädtischen Bestattungsinstitutes" zu Budapest, als sie große Inserate für Auslands-Ungarn drucken ließen, um ihre Trauerprodukte anzupreisen. Das Angebot reicht von "Bepflanzung mit Saisonblumen" bis zum "Grabmal aus Naturstein"; Emigranten können wählen, wie sie ihren verstorbenen Angehörigen in der Heimat die letzte Ruhestätte verschönern.