Ich war nie ein Bauerntyp, hatte schon als Kind lieber gelesen als auf dem Feld und im Stall gearbeitet, und auch später fühlte ich mich in der Stadt wohler als auf dem Land, war lieber in Berlin als im Bernbiet." Der dies notierte, gehört zu den großen Außenseitern unter den Graphikern dieses Jahrhunderts: Emil Zbinden. Geboren 1908 in Niederönz im Kanton Bern, ging er nach einer Schriftsetzerlehre Ende der zwanziger Jahre nach Deutschland, nach Berlin und Leipzig, wo er Schüler in der Meisterklasse der "Akademie für Graphische Künste" wurde. Doch die politischen Verhältnisse zwangen den jungen Künstler Mitte der dreißiger Jahre in die Schweiz zurückzukehren, sozusagen in die Heimat zu emigrieren. Hier nun begann er, der sich in Deutschland in der Arbeiterbewegung engagiert hatte, dessen Vorbilder Heinrich Zille, Käthe Kollwitz und Frans Masereel hießen, mit seinen Illustrationen der Werke Jeremias Gotthelfs. In fast zwanzigjähriger Arbeit entstanden an die tausend Holzschnitte zu den Novellen und Romanen des eigensinnigen Dichter-Pfarrers aus dem Emmental – Holzschnitte, unendlich filigran und zugleich hart und ohne ein sentimentales Ornament. Es sind Szenen aus einer bäuerlichen, kleinstädtischen Welt, doch fern jeder Biederkeit, nüchtern, bitter fast, und dazwischen akribische Naturbilder, weiträumige Landschaftstableaus in seltsamer gläserner Klarheit, ja: Kälte, und nur hier und da durchzogen von einer heimwehmütigen Erinnerung, von einem Nachklang expressionistischer Hoffnung. Nein, er ist kein Bauerntyp, dieser Emil Zbinden, der in diesem Jahr in Bern seinen 80. Geburtstag feiert und dessen Holzschnitte zu Jeremias Gotthelf (und C.A. Loosli) in diesen Tagen – unter dem Titel "Landschaften und Menschenbilder" in einem vorzüglichen Band zusammengefaßt – im Zürcher Limmat Verlag erschienen sind (220 S., 48 Mark). B.E.

Aus den Illustrationen zu Jeremias Gottheils "Jakobs Wanderungen durch die Schweiz"