Das gemeinhin Jahrhundertvertrag genannte Dreiecksgeschäft zwischen Bundesregierung, Elektrizitätswirtschaft und Steinkohlenbergbau ist wettbewerbsrechtlich zunehmend umstritten. Die ersten Attacken kamen aus Brüssel, inzwischen hat aber auch das Bundeskartellamt Haare in der Suppe gefunden.

Für die Bergleute wirken die Angriffe auf den Pakt wie Stromstöße, denn der durch den Vertrag gesicherte Absatz von mehr als vierzig Millionen Tonnen Kohle im Jahr ist das Rückgrat der heimischen Förderung. Diese Menge ersatzlos zu streichen hieße nichts anderes, als den Bergbau zum Tode zu verurteilen.

Angesichts der mehr als zehn Milliarden Mark, die Steuerzahler und Stromverbraucher derzeit jährlich aufbringen, um die Mehrkosten der deutschen Kohle gegenüber der Importenergie auszugleichen, ist der Gedanke daran für manchen nicht einmal erschreckend. Und wenn sicher wäre, daß uns die Kohle ewig Jahr für Jahr zehn Milliarden Mark kosten würde, müßte schleunigst der Deckel auf den letzten Pütt gelegt werden.

Aber da beginnen ja die Zweifel – hält der Energieüberfluß an, bleibt der Dollar schwach? Denn wenn Energie auf dem Weltmarkt teurer wird, dann schrumpft die Subventionslast in der Bundesrepublik. Und bei der Frage, ob wir uns ein Stück Sicherheit der Energieversorgung erhalten wollen, geht es nicht um wettbewerbsrechtliche Überlegungen. Der Jahrhundertvertrag ist nur das Vehikel einer politischen Entscheidung. Wenn er von Kartelljuristen aus dem Verkehr gezogen wird, muß etwas anderes an seine Stelle treten.