Die Premiere des Pilotprojektes ging auf einem Kompostierplatz des Straßenbauamtes München bei Putzbrunn über die Bühne. Bayerns Innenminister August Lang schwärmte von einem möglichen Abbau der Nahrungsmittelüberproduktion in der EG und von "nachwachsenden Rohstoffen", insbesondere dem Energiereichtum des vielseitigen Rapsöls. Demonstrativ schüttete er am 9. August in den Tank eines bereitstehenden Mercedes-Unimog-Fahrzeugs einige Liter dieses Öls, das aus den Samen der leuchtend gelb blühenden Rapspflanze gepreßt wird – und das den Weltmarkt überschwemmt, infolge massiver Subventionen der EG.

Ein längerer Praxistest mit dem Unimog soll belegen, daß reines Rapsöl ein alltagstauglicher Alternativ-Treibstoff für Dieselfahrzeuge ist. Bestärkt von positiv verlaufenen Vorversuchen – Rapsöl war für einige Wochen dem Diesel-Kraftstoff beigemischt worden – startete Lang optimistisch zur Probefahrt. Zurück blieben die Abgase des Dieselmotors, deutlich nach einer Pommes-frites-Bude riechend. Und um die hohe Qualität des Öls unter Beweis zu stellen – es stammte aus der von Bitterstoffen freien Sorte "Doppel-Null-Raps", an der sich angeblich Hasen und Rehe zu Tode fressen können – erhielten die Premierengäste Krapfen gereicht, in Rapsöl gebacken.

Das einheimische Öl soll nach bayerischer Lesart gleich mehrere lästige Fliegen mit einer Klappe schlagen helfen: Als Motor-Kraftstoff verbrannt, könne es erstens die landwirtschaftliche Überproduktion, zweitens die Erdölimporte und drittens die Schadstoffbelastung der Luft reduzieren helfen, hieß es. Das Öl sei nahezu schwefelfrei, die Abgase enthielten deshalb auch kaum Schwefeldioxid, das zum Sauren Regen beiträgt. Ein Vergleichstest mit weißen Papierstreifen sollte bei der Vorstellung des Pilotprojektes belegen, daß Rapsöl obendrein rußfreier verbrennt als Dieselkraftstoff.

Die Befürworter einer solchen Raps-Nutzung führen noch weitere Argumente ins Feld: Da die Gewinnung des Öls durch Pressen der geernteten Rapssaat einfach sei und der zurückbleibende eiweißreiche "Preßkuchen" als hochwertiges Tierfutter dienen könne, bestehe die Chance einer dezentralen Energiegewinnung und Selbstversorgung der Landwirtschaft mit Treibstoff. Die Möglichkeit der Eigenproduktion unter Umgehung verschiedener Handelsstufen erhöhe zudem die Wirtschaftlichkeit von Rapsöl als Dieselersatz. Warum also sollte die Agrarwirtschaft "nicht in einem größeren Ausmaß zur Energieerzeugung beitragen?", fragt der Europarat. Auf einer Konferenz über "Die europäische Landwirtschaft als Zulieferer der Industrie" am 7. und 8. September in München will er Fachleute dieses Problem erörtern lassen.

In der Hoffnung, "alternative" Produktionsmöglichkeiten für die Landwirtschaft zu erschließen, fördern die EG, aber auch das Forschungs- und das Landwirtschaftsministerium in Bonn den Forschungssektor "Nachwachsende Rohstoffe" mit beträchtlichen Summen. So sollen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 240 Millionen Mark hierfür fließen. Dies, obwohl sich eine wichtige Hoffnung, die Nutzung von Bioalkohol als Treib- oder Rohstoff, inzwischen als unrealistisch entpuppt hat. Ob aus Weizen, Zuckerrüben, -rohr oder -hirse, die Massenproduktion des Alkohols bleibt eine Schnapsidee, denn sie ist viel zu teuer (1,30 Mark pro Liter). Selbst auf sehr lange Sicht ist sie gegenüber dem vielfach billigeren Erdöl nicht konkurrenzfähig. Ein am vergangenen Freitag veröffentlichtes Gutachten des Dachverbandes Agrarforschung und des Bundesforschungsministeriums, dem über 200 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Bioalkohol zugrunde liegen, hat die mangelnde Rentabilität erneut bestätigt. Sollte dies beim Raps grundlegend anders sein, nur weil der aufwendige Gärungs- und Destillationsprozeß entfällt?

Massive Argumente gegen eine Nutzung von Rapsöl als Treibstoff ergeben sich aus zwei Berichten in der Zeitschrift Landbauforschung Völkenrode (Bd. 1/88, S. 12ff.), herausgegeben von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode. Sowohl technische als auch wirtschaftliche Faktoren sprechen dagegen, daß Raps in absehbarer Zeit die Rolle eines "Tiger im Tank" übernehmen könnte. Im Dauereinsatz und bei gründlicher wirtschaftlicher Prüfung erweist er sich eher als fauler Kater.

So verweist Gerhard Vellguth vom Institut für Biosystemtechnik im ersten Beitrag auf Probleme beim Dauereinsatz von Rapsöl. Zwar sei eine kurzzeitige Nutzung problemlos, jedoch "treten bei längerem Betrieb, zum Beispiel bereits nach 50 Stunden, gravierende Nachteile durch Bildung von Verbrennungsrückständen auf". Dies gelte insbesondere für die bei Schleppern und Nutzfahrzeugen meist verwendeten direkt einspritzenden Dieselmotoren. Selbst ein Zusatz von nur zehn Prozent Rapsöl zum Dieselöl führe bereits nach 200 Betriebsstunden zu einer Verdreifachung des Rußausstoßes – ein untrügliches Zeichen für eine zunehmende Schädigung des Motors und schlechte Verbrennung.