Überfluß und Mangel liegen auf dem Weltkaffeemarkt dicht beieinander: Die Preise sind im Keller, trotzdem bekommen die deutschen Röster nicht in ausreichender Menge jene Sorten, die die heimischen Verbraucher verlangen. Jetzt verhandeln Export- und Importländer über eine marktgerechtere Aufteilung der Lieferquoten innerhalb der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO).

In der ICO sind die wichtigsten Exporteure und Importeure von Kaffee zusammengeschlossen; sie repräsentieren neunzig Prozent des Weltkaffeehandels von rund zehn Milliarden Dollar. Hauptaufgabe der Organisation ist die Festlegung von Export- und Importquoten für jedes Mitgliedsland im Rahmen von Kaffeeabkommen. Das jetzt gültige Abkommen läuft im September kommenden Jahres aus. Gelingt es Liefer- und Abnehmerländern bis dahin nicht, sich auf neue Quoten zu einigen, kehrt der Kaffeemarkt zum freien Wettbewerb zurück – wahrscheinlich mit katastrophalen Folgen für die Entwicklungsländer.

"Die Quotenstruktur entspricht nicht der Verbrauchsstruktur", sagt Frieder Rotzoll, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes. Der Anteil der hochwertigen gewaschenen milden Kaffees sei zu. gering, der für die billigeren Robusta-Kaffees und andere ungewaschene Bohnen zu hoch. Als die ICO als Folge einer Dürrekatastrophe in Brasilien die Quoten für das Kaffeejahr 1986/87 aussetzte, waren 53 Prozent der gehandelten Bohnen milde Kaffees, für dieses Jahr sieht die Quotenregelung dagegen nur 43 Prozent vor. Nach dem Abkommen bleiben die Quoten unverändert, solange der Durchschnittspreis für ein englisches Pfund Kaffee zwischen 1,20 und 1,40 Dollar liegt. Den Durchschnittspreis bilden je zur Hälfte der Preis für die Robustas und der für (nicht repräsentative) milde Bohnen aus Mittelamerika. Der hochwertige Columbia-Kaffee, der zwanzig Prozent des Weltkaffeehandels ausmacht, wird nicht einbezogen. Seit Beginn der Quotenregelung hat sich die Preisdifferenz – zwischen milden Kaffees und Robustas von zehn auf über dreißig Prozent erhöht.

Obwohl die Preise für gute Kaffeebohnen rapide gestiegen sind, mußte die ICO in diesem Jahr die Quoten durchgehend kürzen. Der fiktive Durchschnittspreis war nämlich unter 1,20 Dollar gesunken, weil die im Überfluß exportierten Robustas immer billiger geworden waren. Die deutschen Kaffeeröster mußten aus diesem Grund hohe Gewinneinbußen in Kauf nehmen. Der Ladenpreis für milden Kaffee blieb konstant. Den im Einkauf um bis zu vierzig Prozent billigeren Robusta-Kaffee kauften die Bundesbürger kaum.

Ganz unschuldig an ihrer Misere sind die deutschen Kaffeeröster jedoch nicht. Als die ICO im Sommer vergangenen Jahres den Weltbedarf ermitteln wollte, sah sie sich wie ihre europäischen Mitbewerber nicht in der Lage, den Bedarf in der Bundesrepublik zu schätzen. Das erleichterte es den Vereinigten Staaten und Brasilien, dem größten Verbraucher und dem größten Produzenten der ICO, ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Ein weiteres Ärgernis für die Verbraucherländer der ICO bilden die Kaffeeimportländer, die der ICO nicht beigetreten sind – im wesentlichen die Ostblockstaaten.

Nach einer Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft hat die Einführung von Quoten 1982/83 einen Preisanstieg von dreißig Prozent verursacht. Die Preise für Nichtmitgliedsländer blieben demgegenüber um zehn Prozent unter dem Niveau eines freien Marktes. Die ICO leistet auf diese Weise einerseits verdeckte Entwicklungshilfe und subventioniert andererseits die Kaffeeimporte des Ostblocks.