Die Erzfeinde, ermattet von dreitägigen Verhandlungen, reichten sich die Hand zur Versöhnung. Auf Frankreichs pazifischem Überseeterritorium Neukaledonien soll nach monatelangem Morden Ruhe einkehren. Der melanesische Separatistenführer Jean-Marie Tjibaou und der loyalistische Senator Dick Ukeiwe sprangen nun über ihren Schatten. Die 21 Toten bei der Geiselaffäre von Ouvea kurz vor der Präsidentschaftswahl im Mai zwangen die Kontrahenten zum Nachdenken. Damals drohte ein Bürgerkrieg auf der Inselgruppe.

Doch schon im Juni stimmten Tjibaou und der loyalistische Falke Jacques Lafleur dem Matignon-Abkommen des sozialistischen Premierministers Michel Rocard zu. Danach sollen die 150 000 Bewohner Neukaledoniens (43 Prozent sind melanesische Kanaken, 37 Prozent aus Frankreich eingewanderte "Caldoches") in zehn Jahren über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Jetzt besiegelten der Separatistenführer und der Senator die 120 Artikel des Abkommens. Für Rocard ist diese Befriedung der erste, selbst von der liberalkonservativen Opposition beklatschte Erfolg.

Mit einem Kolonialdrama verglich Staatspräsident François Mitterrand jüngst die Lage in Neukaledonien. Erinnerungen an Indochina und Algerien wurden wach. Bisher verdrängte Frankreich lieber, daß auf der Inselgruppe, 25 000 Kilometer von Paris entfernt, unter demokratischer Fassade ein Rest Kolonialismus vor sich hinschimmelte. Dieser war den Nachbarn Australien und Neuseeland, auf Frankreich schon wegen der Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll nicht gut zu sprechen, – längst ein Dorn im Auge. Aus ihrer Sicht umklammert Frankreich noch ein Vierteljahrhundert nach der Entkolonialisierung stur sein südpazifisches "Konfetti-Imperium". Hält der Pariser Schwur bis zur Volksabstimmung 1998, wird Frankreich um einen Sprengel ärmer und einige Sympathien reicher. van