Das freundliche Lächeln vom Auftakt war am dritten Tag erfroren. In Panmunjom, dem Waffenstillstandsort am 38. Breitengrad, fielen die Parlamentarier aus Nord- und Südkorea einander ungeduldig ins Wort und schlugen verbittert mit der Faust auf den Tisch.

Aber der Dialog zwischen Seoul und Pjöngjang, nach fast drei Jahren der Sprachlosigkeit wieder aufgenommen, soll weitergehen. Die beiden verfeindeten Brüder können gar nicht anders. Der Norden muß sich aus der selbstverschuldeten Isolation befreien, wenn er seinen wirtschaftlichen Niedergang stoppen will. Und der Süden muß Pekings und Moskaus Rücksichtnahmen auf ihren ungeliebten Verbündeten in Rechnung stellen, wenn er künftig Märkte in sozialistischen Ländern erobern will.

Die Olympischen Spiele, die in drei Wochen beginnen, könnten auf die zerstrittenen koreanischen Staaten einen heilsamen Zwang zum Kompromiß ausüben. Der Norden hat sich mit seiner erfolglosen Boykottpolitik ins Abseits manövriert. Doch der Süden versagte sich billigen Triumph über Pjöngjangs Gesichtsverlust. Seoul hält die Tür für die nordkoreanischen Athleten offen, denn ohne ihre Teilnahme bleibt der olympische Friede gefährdet.

Auch wenn 43 Jahre des kalten Krieges in Korea zur Skepsis raten: Die Chance ist noch nicht vertan. Vielleicht kann gerade in Korea der Sport die Politik aus der Sackgasse führen. M. N.