Was ist schon vorhersehbar in der Politik? Jahrzehntelang haben Wissenschaftler vergebens versucht, das Weltgeschehen mit Theorien einzufangen, um so Verbindungen erklären, Entwicklungen vorhersagen zu können. Aber die Rechnung hatte stets zu viele Unbekannte.

Kein Wunder, wenn manch einer daher lieber Rat bei schlichteren Prognoseverfahren sucht. In der in Amerika populären Johnny Carson-Show ist mit Hilfe eines Klatschometers herausgefunden worden, wer im November zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gekürt wird: Bei George Bush war der Applaus sehr viel stärker und anhaltender als bei Michael Dukakis. Den Ausgang der drei letzten Präsidentenwahlen hat der Klatschometer immerhin korrekt angezeigt. Ist das nichts?

Vorhersehbar allerdings ist die offizielle Trauer beim Tod eines namhaften Politikers. Schwarz gekleidete Gäste aus aller Welt – möglichst hochrangig, denn sonst könnte der Nachfolger peinlich berührt sein – stellen beim letzten Geleit von Staats wegen persönliche Betroffenheit zur Schau; so auch jetzt wieder bei der Beisetzung des pakistanischen Staatschefs.

Politiker und Bürger verlangen offenbar gleichermaßen danach, daß die kalten Interessenbeziehungen der Staaten durch menschliche Gefühlsbezeigungen verbrämt werden – als wären auch Staaten aus Fleisch und Blut. Der Karikaturist der Pariser Zeitung Le Monde hat aufgespießt, wie da die Großen der Welt dem verstorbenen Zia ul-Haq unehrlich nachtrauern: Reagan ("ein Demokrat"), Ghaddafi ("ein Pazifist"), Gorbatschow ("ein Freund"), Gandhi ("ein guter Nachbar"). Und auch der sonst so unerbittliche Sensemann will nicht aus der diplomatischen Trauerpose fallen: "Ich bin", sagt er, "tief betrübt."

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Vorhersehbar ist auch die Schadenfreude – die Menschen, nicht die Staaten, sind nun einmal so. Kaum ist im Golf der Waffenstillstand in Kraft getreten, machen in Teheran genüßlich Geschichten die Runde, wie die Kriegsgewinnler zu guter Letzt auf die Nase gefallen seien.

Als der Ajatollah Chomeini beschloß, die Resolution Nr. 598 des UN-Sicherheitsrates zu akzeptieren und damit den fast achtjährigen Krieg mit dem Irak zu beenden, purzelte am Teheraner Schwarzmarkt der Dollar um die Hälfte, der Preis für Zucker sogar um zwei Drittel. Mancher Basari landete mit Herzinfarkt im nächsten Krankenhaus. Schon haben die Spötter der Herzabteilung einer großen Teheraner Klinik einen neuen Namen gegeben; sie heißt jetzt "Intensivstation Nr. 598".