Alpirsbach: "Xaver Fuhr"

Ein im Spektrum der Stile nicht einfach zu ortender Mann. Vom Expressionismus kam der Mannheimer Autodidakt Xaver Fuhr in den zwanziger Jahren zu einem gefestigten Bild vom Gegenstand, das aber in seinen betont graphischen Zügen eine expressive Spannung behält. Fuhrs architektonisch geprägte Welt erscheint merkwürdig schwankend und perspektivisch in sich verschoben. Er zeichnet präzise und mit einem starken Empfinden für rhythmische Abläufe. Der Antagonismus von bezeichneter Fläche und Raumtiefe allerdings erscheint in späteren Arbeiten entschieden gemildert. Überhaupt ist dies spätere Werk, in dem die färbe an Rang gewinnt, um sich mit der Zeichnung locker zu verflechten, und in dem sich die spröde Kontur des "magischen Realismus" verliert, versöhnlich gestimmt. Nach dem Krieg und den erlittenen Repressionen durch die Nazis, zeigte Fuhr eine Neigung, sich mit seinen erworbenen Mitteln künstlerisch einzurichten. Doch nach ersten äußeren Erfolgen, frühen Ausstellungen und einer Berufung an die Münchner Akademie, blieb die breite öffentliche Anerkennung aus. Die Kunstszene entsprach dem Maler nicht recht, der auch keine Anstalten machte, ihr mehr zu entsprechen. Die Malerei des Gegenständlichen – und mit ihr Fuhr – geriet in eine ästhetische Opposition. Entgegen aller ansonsten gewahrten Zurückhaltung machte Fuhr, der 1973 starb, seinem Ärger in giftigen Bemerkungen über die Kontrahenten von der Fraktion der Abstrakten im "Schamanenmantel der Transzendenz" Luft. (Alpirsbacher Galerie bis zum 11. September) Volker Bauermeister