Von Petra Kipphoff

In der Mitte der O’Connell Street, Dublins dicker Hauptstraße, liegt eine steinerne Dame in einem ebensolchen Bassin, langgestreckt, wasserumspült, dösend. Ja, es ist, soll sein, Dublins Fluß, die Liffey, und, je nun, James Joyces Anna Livia Plurabelle, die aus den Fluten aufsteigende, die alles Leben umfassende Frau: Anna was, Livia is, Plurabelle’s to be.

O

erzähl mir alles von

Anna Livia! Ich will alles hören

von Anna Livia. Ach, kennst Du Anna Livia?

Ach, Anna Livia. Wärst Du doch nie Stein geworden, immer Wort geblieben und Klang, Traum und Poesie. Aber warum sollte Dublin es besser haben als andere Städte? Also werden auch hier Monsterwesen aus den Abseiten der Kunst als sogenannte Skulptur im öffentlichen Raum über die Stadt verteilt. Also haben auch hier in der guten, alten Grafton Street alle internationalen Versuchungen von Benetton bis Burger King ihren Einzug gehalten. Also ist auch hier an der Ecke Stephens Green und Grafton Street ein großes altes Eckhaus abgerissen worden, das jetzt durch ein postmodernes Einkaufszentrum ersetzt wird, mit Glaskuppel und Balkongittern wie Tortenhalskrausen. "Good bless", sagt der Taxifahrer beim Aussteigen, und da weiß man, das immerhin die Menschen in Dublin noch Iren sind.