Von Eva-Maria Thoms

Seit April hat Wilhelm Eckey, Bauer im westfälischen Fröndenberg, wieder richtig Spaß an seinen Schweinen. Damals verringerte er seinen Bestand an Mastschweinen von 140 auf 110 Stück. Jetzt haben die Tiere mehr Platz im Stall und können im Stroh wühlen. Einige haben sogar Auslauf ins Freie. Am Wohlergehen der Schweine erfreut sich auch der Bauer. "Man kann richtig sehen, wie die sich wohlfühlen", schwärmt Eckey, "und das tut mir auch selber gut." Massenviehhaltung? Er winkt ab: "Dann möchte ich kein Bauer mehr sein."

Auf dem Hof der Eckeys wird noch "bäuerlich" gewirtschaftet. Neben den Mastschweinen hält der Familienbetrieb Milchkühe und Legehennen. Dazu kommt der Ackerbau. Wilhelm Eckey hatte nie die Absicht, sich zu spezialisieren. Trotzdem hat sich einiges geändert, seit er im April zusammen mit elf Kollegen aus der Region die Erzeugergemeinschaft "Hellweg Naturfleisch" gegründet hat. Seitdem mästet er die Tiere nach strengen Richtlinien für eine "artgerechte Tierhaltung". Die Tiere werden auf Stroh gehalten. Das Futter – aus eigener Produktion – ist energiearm, damit die Schweine nicht zu schnell wachsen. Medikamente wie Antibiotika und Masthilfen wie Hormone sind tabu.

Wilhelm Eckey ist von der neuen Produktionsweise überzeugt: "Die Tiere sind wesentlich seltener krank und vor allem nicht mehr so nervös." Herzinfarkte gibt es bei seinen Schweinen nicht mehr, selbst dann nicht, wenn es zum Schlachter geht.

Auch wirtschaftlich stimmt bei Bauer Eckey die Rechnung. Das "Hellweg Naturfleisch" ist beim Metzger der Renner. Obwohl die Erzeugergemeinschaft mit dem "Naturfleisch" erst seit Mai auf dem Markt ist, kann sie schon heute die rapide steigende Nachfrage nicht mehr bedienen. Seit dem Hormonskandal bei der Kälbermast rufen sogar wieder mehr Metzger und Verbraucher direkt bei den Bauern an und wollen das gesündere Fleisch kaufen. Dafür nehmen sie auch höhere Preise in Kauf. Das Kilo Kotelett vom "Naturschwein" kostet beim Metzger drei Mark mehr als das von "normal" gehaltenen Schweinen. "300 Mark kostet mich das Schwein, bis es zum Schlachthof geht", erklärt Bauer Eckey, "da schlagen wir einen Gewinn von achtzig Mark auf." Schließlich haben die Bauern die Erzeugergemeinschaft als "Selbsthilfe" gegründet, weil sie mit den Dumpingpreisen der Großmäster nicht mehr leben konnten.

Untersuchungen darüber, wie sich die Fleischpreise entwickeln, wenn die gesamte Fleischproduktion in der Bundesrepublik auf eine "artgerechtere Tierhaltung" umgestellt würde, gibt es nicht. Größtes Problem für eine Preisprognose: Was eine "artgerechte Tierhaltung" ist, dafür gibt es keine Definition. Genügt es schon, die chemischen Masthilfen abzusetzen, oder muß auch das Futter geändert werden? Müssen nur die Spaltenböden in den Ställen weg, damit die Tiere sich wohlfühlen, oder brauchen sie mehr Platz, gar Auslauf auf der Weide? Garantieren Bestandsobergrenzen, also eine maximal erlaubte Anzahl von Tieren pro Hof und Hektar, eine artgerechte Tierhaltung und besseres Fleisch?

Peter Neuling vom Bonner Landwirtschaftsministerium rät zur Vorsicht. Sein Kollege Horst Schmitt vom bayerischen Agrarressort ist optimistischer. Die Großmäster seien gezwungen, jede Rationalisierungsmöglichkeit zu nutzen. "Die pfeifen auf dem letzten Loch, um Gewinn herauszuschinden."