ARD, Freitag, 26. August, 24.00 Uhr: "Intermezzo"; amerikanischer Spielfilm von 1939 mit Ingrid Bergman.

Im Abspann steht ihr Name noch ganz unten, es war Ingrid Bergmans erster Hollywood-Film, nachdem sie der Produzent David O’Selznick nach Amerika geholt hatte. Der "Intermezzo"-Stoff hat die Größe nicht, die die Bergman damals schon hatte, und das bringt die ganze Geschichte einigermaßen aus dem Gleichgewicht.

Erzählt werden soll die romantische Liebesepisode zwischen einer jungen Pianistin und ihrem Idol, einem berühmten Geiger, ein Intermezzo, das so lange währt wie die gemeinsame Tournee: Die alten Familienbande fesseln ihn zuletzt doch stärker als seine neue Passion, und auch sie begreift, daß man sein Glück nicht auf das Unglück anderer bauen darf. Erzählt werden soll vom Sieg der Vernunft, von Charakterstärke, von reifen Menschen, die verzichten lernen. Doch weil es diese Frau ist, auf die verzichtet wird, kehrt die Geschichte sich in ihr Gegenteil; sie erzählt von menschlichem Kleinmut, von Unreife, von einer Niederlage vor dem Leben.

Für ein Intermezzo ist diese Frau nicht geschaffen, wen sie liebt, der muß sein Leben ändern. Wen sie liebt, der muß in die Tragödie stürzen: ins brausende Leben. Wen sie liebt, der muß sich entrücken lassen, bis er abstürzt wie ein Schlafwandler, mit seligem Lächeln. Was Ingrid Bergman spielt, ist die absolute und unbedingte, die Liebe eben. Man erwartet Großes, ein großes Happy-End, eher noch einen großen Untergang mit Heulen und Zähneklappern. – Doch das Drehbuch spielt nicht mit, die Wellen glitten sich, und das bürgerliche Leben nimmt seinen Lauf.

Wir sehen die Herausforderung durch eine außergewöhnliche Frau, was wir vermissen, ist die außergewöhnliche Antwort des Mannes, den sie liebt. Des Geigers Töchterlein erkrankt – so findet er heim zu Herd und Weib und Kindern. In ihrem späten Frühling tritt die Gattin ihm entgegen: Willkommen daheim!, der Flur bleibt düster, während die Kamera sich ins helle Draußen fort schleicht, die schwere Haustür schließt sich langsam – The End. Der Frieden, der ins Haus des Musikers nun wieder Einzug hält, kann nach diesem "Intermezzo" nur ein Grabesfrieden sein. Martin Ahrends