Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hat allein in diesem Jahr 74 britische Soldaten getötet, mehr als in den vorangegangenen fünf Jahren zusammen genommen. Der jüngste Anschlag – am Montagabend wurde ein Offizier der britischen Marine in Ost-Belfast durch eine Autobombe umgebracht – kam knapp drei Tage nach der verheerenden Explosion in der Grafschaft Tyrone, der acht britische Soldaten zum Opfer fielen. Von den 28 Verletzten schweben einige noch immer in Lebensgefahr.

Erwartungsgemäß konzentriert sich die öffentliche Diskussion in Großbritannien und Irland nun auf eine Verbesserung der Terrorabwehr. Bei Krisensitzungen in London und Belfast wurden Maßnahmen zum Schutz der knapp 10 000 britischen Soldaten in Nordirland erwogen. Eine Untersuchung soll prüfen, woher die IRA Kenntnis von der nächtlichen Fahrt der Soldaten hatte und weshalb eine Route durch gefährliches Gebiet gewählt wurde. Die nervösen Reaktionen der Behörden entspringen der Erkenntnis, daß die Schlagkraft der IRA nach zahlreichen Rückschlägen wiederhergestellt ist. Die Organisation verfügt gegenwärtig über funktionsfähige Kommandos in allen Teilen Nordirlands, in England und in Nordwesteuropa.

Indessen wächst der Druck protestantischer nordirischer Politiker auf die britische Regierung, drakonische Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen: Von der Masseninternierung mutmaßlicher IRA-Leute ohne Gerichtsverfahren bis hin zur Abschaffung des Rechts zur Aussageverweigerung reichen die Vorschläge, die Teile der rechtsstaatlichen Garantien außer Kraft setzen sollen.

Nationalistische Politiker in weiten Teilen Irlands warnen allerdings eindringlich: Derartige Maßnahmen lieferten der IRA ideales Propagandamaterial und hätten sich in der Vergangenheit als untaugliche Instrumente der Nordirlandpolitik erwiesen. M.A.