Seine "Piraten" hatten Schiffbruch erlitten, da fragte Warner bei Polanski. an, ob er schon ein neues Projekt habe: sie würden gerne einen Film mit ihm produzieren. Polanski bejahte, und Warner war sofort interessiert. Ob er schön eine präzise Idee habe? Ja: "Ein Amerikaner kommt – nach Paris, begleitet von seiner Frau. Sie verschwindet." Der Rest ist Geschichte. Ein Mann sucht seine Frau. Er heißt Richard Walker.

"In mir erwachte beim Zuschauen eine unmäßige Neugier. Ich war etwas auf der Spur. Ich gelobte: käme ich je aus dieser Lage heraus, würde ich die Suche ständig betreiben ... Die Suche ist etwas, was jeder unternähme, wäre er nicht in die Alltäglichkeit seines Lebens versanken ... Sich der Möglichkeit der Suche bewußt werden, heißt: Verzweiflung. Die Filme handeln von der Suche, fälschen sie aber ab. Die Suche endet da immer in Verzweiflung." Der Text stammt aus dem Roman "Der Kinogeher" von Walker Percy, der von dem Traum erzählt, das ausufernde Leben zum Bild gerinnen zu lassen, zum Kinobild. Seine Sprache schweift durch die Welt, wie der Sucher einer Kamera. Wenn er ruht, sieht man trügerisches Glück: Verzweiflung.

Eine Fahrt über die Stadtautobahn, vom Flughafen zum Hotel. Die Frau schläft, Walker wacht. Der Taxifahrer kommt aus Jamaica, aus dem Radio schallt Reggae-Musik, und vor den Fenstern versandet die Metropole in endlosen Stadtwüsten. Alles ist fremd. Eine Reifenpanne, Umsteigen, Stau. Eine Müllabfuhr schiebt sich durch den anonymen grauen Morgen von Paris, bis endlich eine Seitenstraße den Blick freigibt auf den Eiffelturm. Voilà, here we are. Vor zwanzig Jahren, in den Flitterwochen, waren die Walkers schon einmal hier. Von der Suche nach den Erinnerungen erzählt der Film auch. Und von ihrer Unmöglichkeit.

Er habe eine Szene mit Clochards in dem Film gehabt, erzählte Polanski, die sei schön mysteriös, aber letztlich zu pittoresk gewesen. Denn die "Montmartre" – Seite von Paris habe er bewußt aussparen wollen. Also kein "Amerikaner in Paris".

Zwei Amerikaner in Paris. Das Grand Hotel gegenüber der Oper ist komfortabel, die Angestellten sprechen überwiegend Englisch. Daß es hier im Grunde nicht anders aussieht als in San Francisco, macht den jet lag nur noch verstörender. Und daß sich die Samsonites auf aller Welt gleichen, macht aus Kinoerfindungen von gestern Alltagsgeschichten von heute. Die Frau hat den falschen Koffer, so fängt die Geschichte an. TWA wird sich darum kümmern. Kinogeschichten heute, das sind in der Regel World Plotlines.

Es gibt Croissants, immerhin, und Frühstück im Bett. "I love Paris" singt Walker unter der Dusche und freut sich auf faire l’amour. Doch die Kamera, der unsichtbare Dritte, fährt langsam auf die Duschtür zu, sieht die Frau aus dem Bild verschwinden, und läßt sich den Blick vom Dampf verschleiern. Die Wassertropfen rinnen wie Tränen durchs Bild: Cherchez la femme.

Der Tag kommt, Richard Walker geht auf die Suche. Die Frau ist weg. Und sie bleibt auch verschwunden. Der Hoteldetektiv vermutet sie in den Armen eines anderen, der Direktor reagiert verständnislos hilfsbereit, die amerikanische Botschaft beschränkt sich auf Routine, nur der Nachtportier zeigt Verständnis. Walker spricht kein Französisch und ist allein in der weißen Stadt, in der die Farben der Erinnerung längst verblaßt sind. Seine einzigen Anhaltspunkte sind das Armband seiner Frau und ein Streichholzheftchen mit einer Telephonnummer. Als er den Besitzer des Anschlusses ausfindig gemacht hat, liegt der tot in der Küche. Aber dafür läuft ihm die Besitzerin des anderen Koffers, die junge hübsche Michelle (Emmanuelle Seigner) über den Weg. Durch sie will er an die Entführer seiner Frau (Betty Bukley) kommen, mehr interessiert ihn an ihr eigentlich nicht. Frantic heißt "wütend" oder "wahnsinnig" aber auch "krampfhaft".