ZEIT: Herr Müller, die Zahl der Lebensmittelskandale reißt nicht ab. Dem verunsicherten Konsumenten werden als Alternative immer öfter sogenannte Bioprodukte angeboten. Darf er die jedenfalls unbeschwert verzehren?

Müller: Also davor würde ich genauso warnen. Denn unter „Bio“ wird ja heute alles Mögliche angeboten. Und der Ernährungsausschuß hat bei seiner Anhörung im Januar festgestellt, daß doppelt so viele Produkte unter „Bio“ angeboten wie produziert werden. Damit wird also viel Schindluder getrieben. Viele Verbraucher können sich unter dem Begriff biologisch-ökologisch nichts Genaues vorstellen, sind aber der Meinung, es sei gesund. Dewegen muß etwas getan werden, um die Verbraucher zu schützen.

ZEIT: Der Wunsch der Verbraucher nach Lebensmitteln aus biologischem Anbau und nach Fleischwaren aus artgerechter Tierhaltung ist in der Tat stark gestiegen. Hat der Gesetzgeber da nicht eine große Lücke gelassen?

Müller: Nun, das wirft natürlich eine Menge Fragen auf. Wir haben das Tierschutzgesetz gemacht. Das verlangt Verordnungen in bezug auf die Tierhaltung. Aber es gibt erst zwei solcher Verordnungen: für Schweinehaltung und für Geflügelhaltung. Für die Kälberhaltung gibt es erst einen Entwurf.

ZEIT: Und wie sieht es beim Anbau von Gemüse, Obst und Getreide aus?

Müller: Hier muß man zwei Dinge unterscheiden. Da sind einmal unsere Handelsklassen. Sie gehen auf den Markt und sehen einen Apfel der Handelsklasse A. Der sieht hervorragend aus, und dann ißt man diesen Apfel und stellt fest, schön war er, aber schmecken tut er nach nichts. Die Handelsklassen müßten also auch auf den Nährwert Bezug nehmen.

Die andere Seite ist der Anbau. Da gibt es noch erhebliche Meinungsunterschiede, jedoch keine gesetzliche Regelung.