Von Bernhard Blohm

Ein wirtschaftswissenschaftliches Lehrbuch ist so ziemlich das letzte, zu dem ein normaler Mensch aus freien Stücken greift. Über Preise, Löhne, Angebot und Nachfrage informiert sich, wer dazu gezwungen wird – durch Studium oder Beruf. Von den Abertausenden von Wirtschaftsbüchern, die jedes Jahr neu auf den Markt kommen, sind viele von hoher Gelehrsamkeit, aber fast alle sterbenslangweilig.

So gesehen ist es fast zwingende Logik, von einem Buch über die Geschichte ökonomischer Theorien nur noch eine Steigerung der Langeweile zu erwarten, gewissermaßen die Unlesbarkeit in Digest-Form.

Wer dennoch ein derartiges Buch unter die Leute bringen kann, fand entweder einen ahnungslosen Verleger, den ein Ladenhüter mehr oder weniger nicht stört, oder aber er ist ein brillanter Kopf, der dazu wirklich etwas Interessantes und Lesbares zu Papier gebracht hat. Letzteres ist einem amerikanischen Professor der Nationalökonomie gelungen, der nicht nur wegen seines Gardemaßes zu den größten Ökonomen dieses Jahrhunderts zählt:

  • John Kenneth Galbraith: Die Entmythologisierung der Wirtschaft, Grundvoraussetzungen ökonomischen Denkens. Paul Zsolnay Verlag, Wien, Darmstadt 1988; 394 Seiten, 48,– DM.

Ganz am Schluß des Buches teilt Galbraith mit, daß er beim Schreiben "sehr vergnügliche Momente" gehabt habe und hoffe, der Leser werde dieses Vergnügen ein wenig teilen. So ist es in der Tat. Des Meisters Gang durch die vermeintlich trockene Wirtschaftsgeschichte ist ein glänzend geschriebenes Buch, eine oft amüsante, immer aber interessante Lektüre.

Das liegt zu einem guten Teil natürlich daran, daß Galbraith auch bei diesem Buch seinem Credo treu geblieben ist, in der Volkswirtschaftslehre gebe es keinen Gedanken, "der sich nicht in klarer, unverschnörkelter und allgemein verständlicher Sprache ausdrücken ließe". Der von ihm erhobene Vorwurf, daß Bücher zur Wirtschaftsgeschichte im allgemeinen langweilig und "zuweilen von auftrumpfender Unverständlichkeit" seien, trifft ihn gewiß nicht.