Flotter Handel

Ungeheuerliches soll im kalifornischen Lawrence Livermore-Laboratorium geschehen sein. Der Chefchemiker des führenden westlichen Forschungszentrums für Nuklear- und Weltraumwaffen ist nach 26 Jahren Betriebszugehörigkeit flüchtig; sechs Angestellte wurden verhaftet, zehn weitere gefeuert. Sie sollen zwischen Neutronenbombe und Star-Wars-Technik ungeniert mit spaltbarem Material und Staatsgeheimnissen gehandelt haben. Nebenbei zogen sie einen internen Rauschgiftring auf, Als der hauseigene Sicherheitsdienst Verdacht schöpfte, lenkten ihn einige Manager auf Nebenfährten. Immerhin wirbelte die Operation Snowstorm heftig genug über den Schreibtisch des Chefchemikers, der sich unterdessen in wärmere Zonen absetzte. Fortsetzung dieses Krimis aus der Wirklichkeit demnächst – vor dem amerikanischen Kongreß.

Wissenslücken

Um die Kenntnisse britischer Parlamentarier in der Sicherheitspolitik steht es nicht zum besten. Dies ergab eine Umfrage im Auftrag des Europäischen Instituts für Verteidigung und Strategische Studien. So kannten nur sieben Prozent der Befragten den Namen des Nato-Oberkommandierenden in Europa, des amerikanischen Generals John R. Galvin. Gerade 13 Prozent hatten mitbekommen, daß Manfred Wörner Nachfolger von Lord Carrington als Nato-Generalsekretär geworden ist. Die konservativen Abgeordneten, so das überraschende Ergebnis der Umfrage, schnitten durchweg schlechter ab als ihre Labour-Kollegen. Dabei hatte ein Drittel der befragten Tories ausdrücklich erklärt, militärischen Fragen gelte ihr Hauptinteresse.

Fakt und Fiktion

Die Realität holt die Fiktion immer schneller ein. Anfang Juni tagte in Gladbeck "Das Syndikat", die Vereinigung der deutschen Krimi-Autoren. In seiner Begrüßungsansprache sagte das Stadtoberhaupt launig, er begrüße die literarischen "Kriminellen", da Gladbeck zum Glück von den echten Kriminellen bislang verschont geblieben sei. Und Peter Glotz meinte in seiner Laudatio auf den Preisträger 1988 für den besten Kriminalroman, wahrscheinlich werde es immer mehr dazu kommen, daß nur noch der Kriminalroman die Wirklichkeit der Republik realistisch abbilde ...