In der Freilichtarena der bayerischen Bereitschaftspolizei in München hatte kürzlich der soeben gegründete Gauweiler/Lang-Komödienstadel mit einer Uraufführung Premiere. Das Werk, das in der Tradition der Schauerstücke steht, heißt: "Geiselnahme".

Die Aufführung fand sogar über Bayern hinaus Beachtung, war es doch das erste, gleichsam aus dem Ärmel geschüttelte Stück des Autorenduos Gauweiler/Lang. Aber auch weil sich die redlich bemühte Laienspielschar ausschließlich aus Polizisten zusammensetzte, fand die Inszenierung viel Interesse. Besonders der Darsteller des "Rösner" verriet vielversprechendes Talent.

Damit sind wir beim sensationellen Anlaß des Stückes, der spektakulären Geiselnahme in Gladbeck. In einer für unsere Bühnenverhältnisse noch nie dagewesenen Rekordprobenzeit wurde das Stück in einem Schnellschuß auf die Bretter geworfen. Das war natürlich dem bayerischen Staatsintendanten F.J. Strauß zu verdanken, der von seinem Urlaubsdomizil Regie führte und zugleich als Souffleur die Stichworte lieferte.

"Geiselnahme" gehört zur Gattung der Dokumentarspiele. Doch mag man auch an die Lehrstücke eines Brecht denken, in denen der politische Gegner nach allen Regeln der Kunst öffentlich diffamiert wird. Da fliegen dann nach altem Brauch die Fetzen, bleibt kein Auge trocken, und der gute Geschmack geht vor die Hunde.

So nimmt es denn auch nicht wunder, daß die Aufführung bei der Kritik wie beim Publikum eine kühle Aufnahme fand. Zum künstlerischen Höhepunkt geriet allerdings unbestritten die Szene, die sich die Kölner Ereignisse direkt zum Vorbild nahm. Als die Scharfschützen schließlich ihre Präzisionsgewehre auf die Gangster richteten, um sie durch den lang erwarteten "finalen Rettungsschuß" unschädlich zu machen, war dies der eindeutige Beweis dafür, daß man in Bayern mit Fällen wie Gladbeck, Bremen und Köln spielend fertig geworden wäre. Wie zu hören ist, will die bayerische Krimi-Theatergruppe mit ihrer Show demnächst auf Tournee gehen. Einladungen zu Demonstrationsgastspielen bei den Kollegen in Düsseldorf und Bremen sollen schon vorliegen; allerdings hat man dort den Wunsch geäußert, eine Szene "Fürstenfeldbruck" einzubauen.

Von dem Autorenteam Gauweiler/Lang dürfte noch manches starke Stück zu erwarten sein. Schon jetzt verdanken die beiden ihrem "Erstlingswerk" die Ernennung zu bayerischen Staatskomödianten sowie die Auszeichnung mit der Monika-Strauß-Hohlmeier-Plakette.