Deutsche Bürokraten sind offensichtlich nie um einen Einfall verlegen, wenn es darum geht, ausländische Lebensmittel zum Vorteil heimischer Produzenten vom Markt zu halten. Jüngstes Opfer solcher Paragraphenreiterei sind französische Löffelbiskuits.

Zankapfel ist die Menge Ei, die in dem luftigen Gebäck enthalten sein muß. Daran fehlt es nicht, behaupten die französischen Anbieter, die deutschen Kontrolleure bestreiten das. Sie berufen sich auf ihre amtlichen Untersuchungsergebnisse, die allerdings auf einem umstrittenen Verfahren aus dem Jahr 1934 beruhen. Seitdem scheint sich die Zusammensetzung der Hühnereier verändert zu haben – und schon sind die Biskuits keine Löffelbiskuits mehr.

Nach dem gültigen Schema hat ein Ei von 45 Gramm genau 16 Gramm Reineigelb zu enthalten, das in Form von Cholesterin im Endprodukt gemessen wird. Vor allem als Folge veränderter Methoden der Hühnerhaltung ist jedoch der Cholesteringehalt des Eidotters zurückgegangen. Außerdem ist auch die Größe es Eis von Bedeutung für das "Eidotter/Eiklar-Verhältnis". Der Dotter wiegt nämlich durchschnittlich 21 Gramm, egal ob das gesamte Ei 60 oder 80 Gramm schwer ist. Offensichtlich verwenden französische Hersteller von Biskuits größere Eier als ihre deutschen Kollegen. Darauf jedenfalls führen sie die Beanstandungen wegen unzureichenden Cholesteringehalts zurück.

Im Januar 1984 starteten Experten zur Besichtigung von drei einschlägigen Fabriken jenseits des Rheins. Im Protokoll hieß es abschließend: "Sie kehrten mit der Überzeugung zurück, daß die französischen Hersteller ausreichende Mengen von ganzen Eiern in ihre Produkte geben und daß in der Bundesrepublik eine korrekte Köntrollmethode gefunden werden muß."

Folgerichtig entschied im Oktober 1985 das Amtsgericht Essen zugunsten eines Importeurs und gegen die amtliche Lebensmittelüberwachung, die in französischen Löffelbiskuits zu wenig Vollei gefunden hatte.

Warum Anton Pfeifer, Staatssekretär im Bonner Gesundheitsministerium, das alte Thema nun plötzlich wieder auftischte, ist nicht zu erkennen. Claire Sauvaget, zuständige Fachfrau an der Französischen Botschaft, mühte sich vergeblich, hinter die Beweggründe der Ministerialbürokratie zu kommen. Sie fürchtet, daß Importeure angesichts der unklaren Verhältnisse und der komplizierten Kontrollverfahren die ausländische Ware lieber gleich aus dem Sortiment herauslassen.

Kaum hatte der FDP-Abgeordnete Hermann Otto Solms (siehe ZEIT vom 19.8.88) dafür plädiert, die Ausgaben für Haushaltsangestellte steuerlich abzugsfähig zu machen, da erhielt er amtliche Unterstützung. Otto Schlecht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium,