Immer wenn Direktionsassistent Dr. Günter P. von einem Arbeitstag in der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) heimkommt, steigt er sofort vom Büroanzug in eine schmuddelige Latzhose um und beginnt mit der Gartenarbeit.

"Na, wieder einmal ökonomisch sinnlos tätig?" ruft der Nachbar über den Zaun. Er ist promovierter Volkswirt wie Günter P. Die beiden reden oft über Wühlmäuse, die Weltwährungsordnung und andere Wirtschaftsfragen. Auch darüber, daß der Tag am Schreibtisch, das Beschreiben, Lesen und Wegwerfen von Papier, entlohnt, versteuert und sozialversichert, selbstverständlich als Arbeit zählt, während das Graben und Hacken im Garten, das Säen und Gießen und Jäten und Ernten, die Schwielen an den Händen und das lahme Kreuz, ohne Lohn, Steuer und Versicherung, im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht eigentlich als Arbeit gelten.

"Zehn Millionen Deutsche können nicht irren", sagt Günter P.

"Zehn Millionen Deutsche?" fragt der Nachbar.

"Von 23,5 Millionen Haushalten in der Bundesrepublik Deutschland", teilt Dr. P. als aktuelle Lesefrucht mit, "haben 5,7 Millionen einen Nutzgarten. Durchschnittsgröße 339 Quadratmeter. 800 000 Haushalte haben auch noch Hühner und Kaninchen. Man kann davon ausgehen, daß zwei Mitglieder jedes Haushalts im Garten arbeiten, übrigens relativ viele Beamte und leitende Angestellte – das macht rund zehn Millionen deutsche Nutzgärtner."

"Und alles ganz nutzlos und sinnlos", sagt der Nachbar. "Arbeit zum Nulltarif, und im Supermarkt bekommt man alles viel billiger."

"Nutzlos vielleicht", sagt Günter P., "aber nicht sinnlos. Das können Sie schon bei John Maynard Keynes nachlesen."