"Hat Keynes über die Gartenarbeit geschrieben?"

"Nein, aber über das Glück des alten Ägyptens", sagt Günter P., holt "The General Theory of Employment, Interest and Money" herbei und zitiert: "Das alte Ägypten war doppelt glücklich und verdankte seinen sagenhaften Reichtum zweifellos dem Umstand, daß es zwei Tätigkeiten besaß, nämlich sowohl das Bauen von Pyramiden als auch die Suche nach Edelmetallen, deren Früchte, da sie den Bedürfnissen der Menschen nicht im Verbrauch dienen konnten, auch im Überfluß nicht schal wurden."

"Genau wie unsere Gartenfrüchte", sinniert’ der Nachbar, "die keinem menschlichen Bedürfnis dienen, weil die Schnecken oder das Ungeziefer oder die Vögel sie vorher fressen."

"Das ist", sagt Günter P., "wenn ich Keynes richtig interpretiere, ein Glück unseres Landes: fruchtloser Gartenbau." Und während der promovierte Volkswirt, jenseits des Gartenzaunes sich noch zweifelnd auf seinen Spaten lehnt, fügt Günter P. rasch hinzu: "An der gleichen Stelle entwickelt Keynes übrigens ein sicheres Rezept gegen Arbeitslosigkeit."

"Vorlesen", sagt der Nachbar neugierig.

"Wenn das Schatzamt alte Flaschen mit Banknoten füllen und sie in geeigneten Tiefen in verlassenen Kohlenbergwerken vergraben würde, diese dann bis zur Oberfläche mit städtischem Müll füllen würde und es dem privaten Unternehmergeist nach den erprobten Grundsätzen des Laissez-faire überlassen würde, die Noten wieder auszugraben (wobei das Recht, dies zu tun, natürlich aufgrund von Ausschreibungen für die Pacht des Grundstücks, auf dem die Noten liegen, zu erwerben wäre), brauchte es keine Arbeitslosigkeit mehr zu geben..."

"Also", sagt der Nachbar, "da pflanze ich doch lieber meine ökonomisch nutzlosen Tomaten." Bevor er wieder seinen Spaten in den Boden sticht, fragt er noch über den Zaun: "War Keynes nun eigentlich der große Wirtschaftstheoretiker unseres Jahrhunderts oder ein Zyniker?"

"Beides", sagt Günter P., "denn anders kommt man ökonomisch heute nie zurecht."