Haben die bundesdeutschen Versicherer nun Grund zur Aufregung, oder ist das siebente Hauptgutachten der Monopolkommission eine Quantité négligeable?

Zur Erinnerung: In diesem Gutachten rüttelte die Kommission an liebgewordenen Besitzständen der deutschen Versicherungswirtschaft. Sie wetterte darin gegen das Privileg, Kartelle bilden und Preisabsprachen machen zu können, und ließ auch die Berliner Versicherungsaufsicht nicht ungeschoren. Die Behörde behindere den Wettbwerb und unternehmerische Freiheit, sie sei schlicht eine Innovationsbremse – zu Lasten der Versicherten.

Das waren starke Worte, aber man muß schon tief in die Bonner Bürokratie eindringen, um die möglichen Konsequenzen des Gutachtens abschätzen zu können. Die Monopolkommission ist ein Kind des Wirtschaftsministeriums, und die mokierte sich über eine Behörde – die Versicherungsaufsicht –, die beim Finanzministerium angesiedelt ist. So etwas ist nach den ungeschriebenen Gesetzen der Bonner Beamten ein ungeheurer Affront. Stoltenbergs Mannen werden folglich mit vereinten Kräften den Angriff aus dem Hause Bangemann abwehren, wobei es eine gänzlich unbedeutende Frage ist, ob die Forderungen der Monopolkommission vielleicht vernünftig sind. Erfahrene Bonner Beobachter nehmen denn auch schon Wetten an: Der Streit wird sich so lange hinziehen, bis Gras über das Gutachten gewachsen ist. Einiges spricht dafür, daß dies die Versicherungswirtschaft schon längst erkannt hat. Trotz der ungeheuren Anfeindungen aus dem Wirtschaftsministerium blieben deren Bonner Lobbyisten diesmal merkwürdig still. Aber letztlich hat das auch etwas mit Ökonomie, also einem wirtschaftlichen Einsatz der Kräfte zu tun. Für Scheingefechte muß man keine Energie verschwenden. kah