Von Heinz Blüthmann

Daimler-Benz, der umsatzstärkste deutsche Konzern, kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Der Grund: Es ist einfach immer etwas los in der Stuttgarter Unternehmenszentrale. Die "Kulturrevolution", die nach Meinung des Daimler-Aufsichtsratschefs und Sprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, jedes große Unternehmen von Zeit zu Zeit braucht, um fit für den Wettbewerb zu bleiben, dauert an.

Nach jahrelangen Machtkämpfen im Vorstand, nach einer beispiellosen Aufkauforgie, in deren hektischen Verlauf der Automobilkonzern sich den Rest des Turbinenherstellers MTU, den Flugzeugbauer Dornier und den Elektrokonzern AEG einverleibte und demnächst wohl noch das Luft- und Raumfahrtunternehmen MBB schlucken wird, nach viel negativer Publizität – auch wegen recht großer Qualitätsmängel bei den Ende 1985 neu entwickelten Autos der Mittelklasse, Baureihe 200-300E – steht nun die Organisation des industriellen Riesenreiches auf der Tagesordnung – wieder einmal.

Schon im kommenden Jahr, so sieht es aus, wird das Stühlerücken in der obersten Etage von Daimler-Benz aufs neue losgehen. Denn Vorstandschef Edzard Reuter ist mit der jetzigen Topstruktur unzufrieden, die Anfang vergangenen Jahres nach längerem Tauziehen und tatkräftiger Beteiligung des Aufsichtsratsvorsitzenden Herrhausen in Kraft gesetzt wurde. Das Schema der Zuständigkeiten, von Herrhausen seinerzeit vollmundig als bewährte Matrix-Organisation angepriesen, leistet Kompetenzüberschneidungen und Streitigkeiten vor allem in den wichtigen Bereichen Personal und Materialwirtschaft Vorschub. Denn die Daimler-Spitze, kritisierten Experten von Anfang an, ist unklar gegliedert. Teile des Managements sind nach Geschäftsbereichen (Pkw, Lkw) aufgebaut, andere nach Funktionen (Einkauf, Verkauf, Personal, Finanzen) organisiert. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen.

Reuter will deshalb nun endlich das schon früher favorisierte Modell realisieren, das vor zwei Jahren vor allem am Widerstand seines Vorgängers Werner Breitschwerdt gescheitert war. Und so soll es werden: Als oberste Denk- und Kommandozentrale des Megakonzerns mit Reuter an der abgehobenen Spitze fungiert eine reine Holding-Gesellschaft, der alles gehört, die aber nicht forscht, nicht produziert, nicht einkauft und nicht verkauft. Sie allein ist zuständig für die strategische Konzernplanung und für die Finanzen.

Die profanen Grundgeschäfte besorgen – auf der zweiten Ebene – drei neue, voneinander unabhängige Aktiengesellschaften. Eine davon kontrolliert das Militärgeschäft, die Luft- und Raumfahrtgesellschaft Dornier und (nach der zu erwartenden Übernahme) MBB. Die zweite mit der AEG als Kernstück hat den problematischen Arbeitsnamen Aggregat-AG. Die dritte, weitaus größte operative Einheit entwickelt, baut und vertreibt die bekanntesten Produkte des Konzerns: die Autos mit dem Stern am Kühler – Personenwagen und Lkws.

Weil die Wagen weltweit schon immer unter diesem Namen verkauft wurden, soll die neue Auto-AG, und nur sie, Mercedes-Benz heißen. Auch der Stern, bisher noch Wahrzeichen für den Gesamtkonzern, wird dann ausschließlich für das Auto reserviert sein.