Die Fähigkeit, Kritik zu ertragen, scheint bei der Deutschen Bundesbank nicht sonderlich ausgeprägt. Die regelmäßigen "Auszüge aus Presseartikeln", die von der Frankfurter Währungsbank verschickt werden, enthalten auffallend wenig Beiträge, die mit der offiziellen Geld- und Währungspolitik nicht einverstanden sind. Und wenn gar eine unabhängige und anerkannte Institution wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der Bundesbank am Zeug flickt, dann nennt deren Vizepräsident Helmut Schlesinger das kurzerhand "unsinnig".

Im jüngsten Wochenbericht des DIW hieß es zum Thema Zinserhöhungen: "Immerhin sollte eine Erfahrung beherzigt werden: Im Sommer vorigen Jahres war die Bundesbank auf dem Weg zu einer Restriktionspolitik. Dieser Weg endete mit einem internationalen Börsenkrach und einem Dollarkurssturz. Sollte das schon vergessen sein?" Eine zumindest etwas zugespitzte These, gewiß. Aber unsinnig?

Schon in der Vergangenheit wurde den Währungshütern vorgehalten, sie hätten konjunkturelle Aufschwünge wiederholt totgebremst, statt sie zu dämpfen. Diese Gefahr ist auch jetzt nicht von der Hand zu weisen – und das bei über zwei Millionen Arbeitslosen. Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank in München, systematischer Opposition gewiß nicht verdächtig, warnte vor dem "überzogenen" Kurs der Bundesbank: "Nach Jahren des ‚Still-Halten-Müssens‘ entfaltet sich das Zepter der Geldpolitik nun wieder als Zeichen wirtschaftspolitischer Macht. Die Liquidität wird verknappt, und die Zinsen steigen. Das Risiko besteht, daß das Pendel nun zu stark in die andere Richtung ausschlägt." Unsinn oder doch mehr? smi