Wie Max Grundig mit seinen Millionen das Grand Hotel Bühlerhöhe wieder flottmachte

Von Renate Wolff

Vorbei an hohen Tannen, zieht eine schiefergraue Limousine die beflaggte Auffahrt zum Schloßhotel hinan. Vom Giebel des heroischen Baus, auf dem ein erzener Reichsadler wacht, grüßt schlapp das Bundesbanner, Zwanzig Sicherheitsbeamte bewahren unauffällig den 18 Hektar großen Park vor ungebetenen Gästen.

Zwei Jahre lang war das Gelände, in königlicher Abgeschiedenheit auf einer Schwarzwaldkuppe über der Rheinebene gelegen, eine lärmende Baustelle: Ein Heer von Arbeitern hatte die traditionsreiche Bühlerhöhe, das "Flaggschiff der Schwarzwaldhotels", wieder flottgemacht. Bulldozer und Preßlufthämmer dröhnten, es jaulten die Kreissägen, Hirsch und Wildsau sowie die treuen Stammgäste suchten das Weite. Heute, die Sonne lacht, über allen Wipfeln ist Ruh, sind sie wieder da. Mit ihnen kam eine bunte Gesellschaft, die offizielle Neueröffnung von Bühlerhöhe – eine Kurklinik und das Plättig-Hotel gehören auch dazu – die Wiederbelebung eines legendären Prominenten-Refugiums zu feiern.

Geladen hatte der 80jährige Max Grundig. Mit bewegtem Kiefer entsteigt der Rentner dem Wagen, gefolgt von Frau Chantal, 40. Hurtig eilt der Direktor der Hotelbetriebsgesellschaft Bühlerhöhe, Wolfgang Rattmann, vormals Ritz, Paris, seinem Chef entgegen. Der gestrandete Wirtschaftskapitän, der deutsche Nachkriegs-Edison, bekannt durch Funk- und Fernsehapparate, ist auf seine alten Tage zum Hotelier geworden. So verschönert er sein Lebenswerk. Mit der Bühlerhöhe hat er jetzt das vierte und kostspieligste Glied seiner Hotelkette am Hals.

Er hatte das in Ehren gealterte, seit Jahrzehnten aber vernachlässigte Grand Hotel – undichtes Dach, verkalkte Installationen, abgewetztes Mobiliar – im Juni 1986 für 7,6 Millionen Mark ersteigert. Auch bei Umbau und Renovierung mochte er nicht geizen. Ohne sich zu zieren, gab er rund 150 Millionen aus, damit das Anwesen nach allen Regeln der Kunst zu einem Hotel allererster Güte werde. Falls erforderlich, will er noch zuschießen. Schließlich trägt die Bühlerhöhe sein Familienwappen – fünf Tannen.

Nach und nach füllt sich der Schloßhof. Hereinspaziert, festen Schritts, die alterspatinierte Aristokratie, repräsentiert von Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Markgräfin von Baden, Seiner Königlichen Hoheit dem Markgrafen von Baden, Ihren Großherzoglichen Hoheiten Prinz Ludwig von Baden und Prinzessin von Baden, Seiner Königlichen Hoheit Herzog Karl von Württemberg und Prinzessin Diana von Frankreich. Es treten unter anderen auf: die TV-Veteranen Robert Lembke, grau, und Blacky Fuchsberger, noch grauer; sprühenden Blicks und Nelke im Knopfloch der Ruhr-Recke Berthold Beitz; unentwegt lächelnd und schwer an ihren Perlen tragend die Unternehmerin Grete Schickedanz (Quelle), möglicherweise auf Empfehlung ihres Hauses gekleidet. Auch die rüstige Verlegerswitwe Aenne Burda ist dabei.