Banken und Sparkassen gründen immer mehr Kapitalanlagegesellschaften in Luxemburg

Selbst die sonst eher bedächtige Deutsche Bundesbank drückte es drastisch aus: Geradezu stürmisch sei hierzulande das Interesse der Sparer an Investmentfonds, die von Kapitalanlagegesellschaften deutscher Banken im Ausland aufgelegt werden. Die Währungshüter kommen zu diesem Schluß, weil allein im ersten Halbjahr 1988 deutsche Anleger für fast fünf Milliarden Mark Fondsanteile in Luxemburg kauften. Die Bundesbank vermutet, "daß bei diesen Engagements im Ausland neuerdings neben der attraktiven Verzinsung solcher Geldanlagen auch steuerliche Überlegungen eine Rolle spielen", und verweist auf die in der Bundesrepublik von 1989 an vorgesehene Quellensteuer. Eine derartige Besteuerung von Zinserträgen gibt es im Großherzogtum nicht, sie ist auch nicht geplant.

Bisher allerdings macht sich für den Sparer erst einer von insgesamt drei Luxemberger Neu-Fonds bezahlt. Wer derzeit seine Luxemburger Zertifikate wieder verkaufen will, bekommt nur bei Eurorenta mehr raus, als er einsetzte.

Diesen Fonds legte Mitte November vergangenen Jahres die Internationale Investment Management Gesellschaft (IIM) auf. Sie gehört jeweils zur Hälfte der Deutschen Bank Luxembourg und der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS). Die Fondsmanager von Eurorenta konzentrieren sich auf Fremdwährungsanleihen. Ihr Konzept besteht darin, "die hohen Zinsen an den verschiedenen europäischen Kapitalmärkten bei relativ geringem Wechselkursrisiko zu nutzen".

Diese Strategie muß ganz nach dem Geschmack der Anleger sein. Anders ist es nicht zu verstehen, daß sich das Fondsvermögen von 135 Millionen Mark zum Jahreswechsel auf rund 6 Milliarden Mark vervielfacht hat.

Seit Mitte Juli bietet die Deutsche Bank ihren Kunden überdies Dollarrenta an. Dieser IIM-Fonds soll nach der Devise seiner Manager "die attraktiven Renditen festverzinslicher Wertpapiere im Dollarraum" nutzen, also in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien und Neuseeland.

Etwa zur gleichen Zeit brachte die Dresdner Bank gemeinsam mit dem Deutschen Investment Trust (DIT) über deren Luxemburger Gesellschaft den DIT-Lux Bondspezial heraus. In den ersten Tagen konnten schon hundert Millionen Mark bei der Kundschaft eingesammelt werden. Daß angesichts derartiger Erfolge die Konkurrenz nicht lange auf sich warten läßt, ist klar. Die Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft (Adig) wird im Herbst gleich zwei Rentenfonds in Luxemburg auflegen. Die Sparkassen werden über eine Luxemburger Tochter der Deutschen Kapitalanlagegesellschaft (Deka) den Deka-Lux-Bond anbieten. Die Genossenschaftsbanken planen ebenfalls noch in diesem Jahr, über Union Investment Luxembourg mit UniLux auf den Markt zu kommen.