ZEIT: Herr Conradi, Sie haben vorgeschlagen, daß die SPD sich nun auch Gedanken zum Thema Ladenschluß macht. Ein Sinneswandel bei der SPD?

Conradi: Der letzte Parteitag in Nürnberg hat vor zwei Jahren beschlossen, daß am Ladenschlußgesetz nichts geändert werden soll. Ich möchte – und die Fraktion wird dem wohl zustimmen –, daß wir eine Arbeitsgruppe bilden, die sich die Verhältnisse in anderen europäischen Ländern – vor allem in Skandinavien – genauer anschaut. Ich hoffe, daß ich damit einen Diskussionsprozeß anstoße, an dessen Ende möglicherweise eine Änderung der bisherigen Beschlußlage steht.

ZEIT: Aber Sie scheinen diese Änderung für notwendig zu halten?

Conradi: Ich will mich informieren. Es hat mich nachdenklich gemacht, daß seinerzeit die konservative Regierung in Schweden die Ladenschlußgesetzgebung unter großem Protest der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten aufgehoben hat, die nachfolgende sozialdemokratische Regierung die Ladenschlußgesetzgebung aber nicht wieder eingeführt hat. Ich möchte wissen, warum, wie sich das dort entwickelt hat, vor allem mit der Teilzeitbeschäftigung für Frauen, wie die Arbeitsplätze tariflich abgesichert sind und was sich im Einzelhandel überhaupt getan hat.

ZEIT: Die Regierung hat bereits ihre Vorstellungen auf den Tisch gelegt. Kommen Sie da nicht ein bißchen spät?

Conradi: Ich nehme an, daß udie SPD-Bundestagsfraktion gegen diesen von der Regierung zusammengestoppelten Entwurf eines Dienstleistungsabends stimmen wird. Wir werden das in aller Ruhe untersuchen. Wir wollen auch die Gewerkschaften an der Untersuchung in Skandinavien beteiligen, denn wir wollen das mit den Gewerkschaften machen, nicht gegen sie.

ZEIT: Sehen Sie die Bereitschaft der Gewerkschaften, zumindest darüber zu diskutieren? Das war ja bisher nicht der Fall.