Die Jahresberichte des Umweltbundesamtes – häufig zitiert, leider viel zu selten gelesen – werden immer mehr zu einer Chronologie verfehlter Politik, der es an Möglichkeiten zur Einsicht nicht mangelt, wohl aber am Willen, daraus Konsequenzen zu ziehen. Ob es daran liegt, daß in der neuesten Ausgabe schleichende Bedrohungen, nicht knallige Katastrophen beschrieben werden? Der Bericht für 1987 zeigt am Beispiel des gefährdeten Grundwassers wieder einmal, wie vernetzt die Ursachen sind, wie vielgestaltig mithin die Abhilfen sein müssen. Nitrate aus der Landwirtschaft (auch aus den Mastfabriken), Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Ausspülungen von Klärschlämmen, die auf Feldern ausgebracht werden, weil der Deponieraum knapp wird, Reste aus der Ablagerung etwa des immer noch wachsenden Verpackungsmülls – viele kleine Rinnsale vereinigen sich, bildlich wie wörtlich, zu einem giftigen Strom. In einigen Regionen fällt es bereits schwer, den Reinheitsvorschriften fürs Trinkwasser zu genügen.

Bundesumweltminister Töpfer hat diese Gefahr beklagt. Doch mit Klagen ist es nicht mehr getan, so wenig wie mit vereinzelten Maßnahmen, neuen Vorschriften hier oder verschärften Strafandrohungen dort. Nicht in erster Linie Rechtsbrecher gefährden unser Trinkwasser, sondern viele, die sich an legale Grenzwerte halten oder zugelassene Chemikalien benutzen. Ohne Verbote geht es nicht mehr, und eine mutige Vorsorgepolitik muß die bisherigen Höchstwerte drastisch senken. Ohne Wasser kein Leben – Brunnenvergifter stehen seit jeher im schlimmsten Verruf.

Die Bonner Politiker haben in den vergangenen Jahren oft die Lippen gespitzt. Belassen sie es dabei, wird ihnen in einigen Jahren das nötige Wasser fehlen, um die Lippen zum Pfeifen anzufeuchten. H. B.