Nicolae Ceauşescu, der rumänische Staatschef, und Karoly Grosz, Ungarns Ministerpräsident, begrüßten sich nur mit trockenem Handschlag. Kein sozialistischen Bruderkuß beim ersten Treffen der beiden Staatsmänner: Die Beziehungen zwischen den Nachbarn sind angespannt, seit der "Conducator" nicht nur der deutschen, sondern auch der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen das Leben schwer macht.

Ceauşescu will 7000 Dörfer schleifen lassen und die Bewohner in agro-industrielle Zentren zwangsumsiedeln. Bis heute sind 17 000 ungarnstämmige Rumänen nach Ungarn geflohen, viele demonstrierten dort gegen das Kahlschlagprogramm des Diktators, Budapest unterstützte ihre Forderungen, die Heimatdörfer vor der Zerstörung zu bewahren. Bukarest schloß kurzerhand das ungarische Generalkonsulat in Cluj.

Károly Grosz verwies nach der siebeneinhalbstündigen Begegnung mit Ceauşescu in der rumänischen Grenzstadt Arad auf "erhebliche Meinungsverschiedenheiten". Das schlechte Verhältnis zwischen den Verbündeten wird sich so schnell nicht entspannen, denn Ceauşescu will an seinen gigantomanischen Plänen festhalten. Das Generalkonsulat bleibt geschlossen, es wird keine Kulturinstitute in Budapest und Bukarest geben. Allerdings stellte der Diktator den Siebenbürger Ungarn frei auszureisen. Überdies dürfen sich demnächst ungarische Parteifunktionäre und Wissenschaftler an Ort und Stelle über die Lage ihrer bedrängten Landsleute informieren.

Die Rumänisierungspolitik Ceauşescus stieß auch beim Wiener Folgetreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) auf scharfe Kritik. Am Tag nach dem Arbeitstreffen in Arad blieb die rumänische Delegation der ersten Sitzung nach der Sommerpause fern. An ihrem Starrsinn droht nun auch die Veröffentlichung des Schlußdokuments zu scheitern. ill