Von Christoph Bertram und Gunter Hofmann

ZEIT: Herr Bahr, nach der Wende 1982 war die Sicherheitspolitik in Ihrer Partei ein kontroverses Thema. Sie war es auch in den letzten beiden Bundestagswahlkämpfen zwischen Regierung und Opposition. Jetzt scheint es manchmal so, als gebe es eine stille große Koalition zwischen den Parteien. Stimmt denn das?

Bahr: Zum ersten Punkt: Die SPD hat seit 1981 über alternative Strategien gearbeitet. Denn uns war klar: Die Weltgeschichte geht auch nach den Raketen weiter. Seither sind das Denken und die Beschlußlage der SPD kontinuierlich weitergegangen. Das ist der eigentliche Grund, weshalb jetzt auf dem Parteitag unsere Position nicht mehr umstritten oder umkämpft ist.

Zu der zweiten Frage: Ich glaube, nach dem Mittelstreckenabkommen sind alle demokratischen Parteien der Auffassung, daß es das Ziel sein muß, konventionelle Stabilität zu erreichen, aber dabei nicht die verbleibenden Nuklearwaffen und ihre Behandlung ans Ende zu rücken. Das heißt, es gibt einen großen Konsens hinsichtlich der Richtung und der Zielvorstellung. Daß das Endziel umstritten ist, daß die SPD zum Beispiel taktische Atomwaffen auf der Basis der erreichten konventionellen Stabilität überhaupt nicht mehr will, stört im Augenblick nicht.

ZEIT: Empfehlen Sie denn dann, daß der Oppositionsführer diesen Konsens gemeinsam mit dem Kanzler bei dessen Moskau-Besuch demonstrieren sollte?

Bahr: Ich halte den Besuch des Bundeskanzlers nicht für so ein epochales Ereignis, als daß man ihn mit der Frage der Aufnahme diplomatischer Beziehungen, also mit dem Adenauer-Besuch, vergleichen sollte. Im Grunde hat das der Bundeskanzler selbst zu entscheiden. Wir sind doch keine Demandeurs. Im übrigen braucht die SPD die Reise des Kanzlers nicht, um mit Herrn Gorbatschow zu reden.

ZEIT: Was soll aus Ihrer Sicht am Ende der Abrüstungspolitik herauskommen?