Nicht so schnell wie erwartet wird Bonn wieder, wofür es sich am liebsten hält: zum Nabel der Welt. Vorerst wollen die Ereignisse in Gladbeck und Ramstein kommentierend und beileid-Ereignisse begleitet sein. Nebenbei erlebt der Verteidigungsminister seine erste Bewährungsprobe. Dabei würde jeder andere ebensowenig brillieren.

In ein für ihn typisches Dilemma ist Rupert Scholz gleichwohl gestürzt. Politik betrachtet er vorzugsweise mit der Brille des Staatsrechtlers und als Interpret der Staatsraison. So formal lassen sich Ereignisse à la Ramstein weder vorher noch nachher abtun.

Unterdessen bereitet die Regierung in Interviews und, mehr noch, hinter geschlossenen Türen den Herbst vor. Wieviel Spielraum bleibt für die Sozialpolitik? Was wird aus Heiner Geißlers Ankündigung, daß die Ökologie mehr ins Zentrum des Interesses gehört?

Noch aus dem Urlaub an den Gestaden des Mittelmeeres läßt Franz Josef Strauß vernehmen, was ihm alles einfällt, sobald er ans Regieren denkt. Als Pragmatiker ist er Helmut Kohl durchaus nah: Die SPD mag Meinungsumfragen gewinnen, die Union konzentriert sich auf die wirklichen Wahlen. Selbst in seiner Eigenschaft als rückwärts gewandter Rechthaber gibt sich Strauß vergleichsweise milde, und auch die unausbleiblichen Sottisen über den Kanzler wirken sonnendurchtränkt.

Die FDP mag mit Staunen hören, daß die Regierung schon heute auf Fortsetzung über 1990 hinaus festgelegt werden soll. Die lebenspendende Polemik aus München wird doch wohl in Bälde nachgereicht werden, oder?

Richtig erholt sei er, fünf Kilo abgespeckt habe er und zum Bücherlesen sei er auch gekommen – präzise und unerbittlich zielgerichtet wie eh und je hat sich Otto Graf Lambsdorff zurückgemeldet. Die Professionalität, mit der er betreibt, was er sich vorgenommen hat, nötigt Respekt ab. Die innere Anspannung, die ihm anzumerken ist, rührt davon, daß sich die Dinge nicht so zügig befördern lassen wie erhofft.

Ein kluger Einfall, Cornelia Schmalz-Jacobsen auf seine Seite zu ziehen. Er ist, trotz aller Vordergründigkeit (Frau!) schwerlich angreifbar (kommunale Verankerung, Regierungserfahrung in Berlin).