MANAGER UND MÄRKTE

Die Erwartungen der Herren waren nicht eben euphorisch. 25 000 Stück, so hofften die Vertreter der drei deutschen Verlage Gruner + Jahr, DuMont-Schauberg und Bonner Verlagsanstalt, würden sie von den Moskau News verkaufen, die sie als Monatsblatt im April auf den deutschen Markt brachten. Diese Hoffnungen wurden weit übertroffen: Rund 70 000 Exemplare werden allmonatlich verkauft (Druckauflage: 110 000). In der vergangenen Woche wurde nun in Moskau entschieden: Die deutschsprachige Ausgabe wird weitergeführt – als Monatsblatt.

Diese Entscheidung, so berichtet Gunther Drescher von Gruner + Jahr und für das Anzeigengeschäft von Moskau News zuständig, ging nicht ohne Konflikte ab. Denn die Blattmacher wollten wie beim sowjetischen Original auch für die Bundesrepublik die wöchentliche Erscheinungsweise. Die deutschen Partner hingegen sahen wenig Chancen für ein so spezielles Wochenblatt. Valentin Falin, Chef der Nachrichtenagentur Nowosti und als früherer sowjetischer Botschafter in Bonn Kenner des deutschen Medienmarktes, fungierte als Konfliktlöser.

Für die deutschen Partner bleiben die Berichte aus dem Osten gleichwohl ein teures Vergnügen. Weder der Preis von 1,50 Mark pro Ausgabe noch der Anzeigenpreis von 3000 Mark deckt auch nur annähernd ihre Kosten. Allein in diesem Jahr müssen sie zusammen einen "hohen sechsstelligen Betrag" (Drescher) zuschießen. Doch nachdem nun die Testphase beendet ist, will Anzeigenmann Drescher sich stärker ins Zeug legen. Nun sollen vor allem die großen Markenartikelunternehmen interessiert werden. Die Leserschaft von Moskau News hält Drescher für höchst attraktiv: Er vermutet sie vorwiegend unter den Lesern von ZEIT, stern, Spiegel und Capital. Eine Befragung soll im kommenden Jahr Aufschluß bringen.

Daß sich der quirlige Karlheinz Bund, der 1985 im Alter von sechzig Jahren nicht ganz freiwillig den Vorstandsvorsitz bei der Ruhrkohle aufgab, aufs beschauliche Altenteil zurückziehen würde, hat wohl niemand erwartet. In der Tat startete Bund dann eine zweite Karriere als selbständiger Unternehmer und bemüht sich mit seiner Firma Innotec unter anderem darum, einen von BBC entwickelten Hochtemperaturreaktor mit hundert Megawatt Leistung an den Mann zu bringen.

Befremden hat im Ruhrgebiet allerdings die Nachricht ausgelöst, daß Bund mit der staatlichen französischen Stromgesellschaft Electricite de France (EdF) einen Beratervertrag abgeschlossen hat. In der deutschen Stromwirtschaft gilt es nämlich als ausgemachte Sache, daß Atomstrom aus Frankreich den deutschen Bergbau und da in erster Linie wieder die Ruhrkohle treffen würde. Und von der bezieht Bund seine Pension.

Wenn es um die Förderung der Kunst geht, ist der größten amerikanischen Bank, der Citi-Corp, nichts zu teuer – fast nichts. Rechtzeitig zum Schleswig-Holstein Musikfestival schickte sie die New Yorker Philharmoniker unter ihrem Stardirigenten Zubin Mehta auf Europatournee und warb dafür auch mit einem Plakat.

Doch das vom hauseigenen Graphiker des New Yorker Sponsors entworfene Plakat sorgte zumindest auf der Hamburger Gala der Philharmoniker Ende voriger Woche für leichte Irritationen bei den Gästen. Genau in der Mitte prangte unübersehbar die deutsche Flagge mit Hammer und Sichel, nur mit Mühe ist die sogar noch leicht verfälschte bandesdeutsche Fahne unter den elf abgebildeten Staatsflaggen zu erkennen.

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Zwar werden die Philharmoniker auch in Ost-Berlin auftreten, aber warum ausgerechnet die DDR-Fahne auf dem Plakat so prominent plaziert wurde, blieb den illustren Gästen in Hamburg ein Rätsel. Die Lösung: Der Graphiker verwechselte ganz simpel die beiden Fahnen, und niemand in der New Yorker Zentrale bemerkte diesen Fehler.

Die inständige Bitte der deutschen Tochtergesellschaften der CitiCorp, der Frankfurter Citibank und der Düsseldorfer Kundenkreditbank, "das peinliche Plakat zu ändern, weil in diesem Punkt die Deutschen empfindlich sind", blieb unerhört. Fünftausend Mark, die ein Nachdruck gekostet hätte, seien zuviel, beschied man in New York, und, "stellt euch doch deswegen nicht so an".

Das seit 1985 geplante deutschchinesische Passagierflugzeug MPC 75, das der deutsche Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Konzern (MBB) gemeinsam mit der China National Aero-Technology Import and Export Corp. (CATIC) bauen will, nimmt langsam konkrete Formen an. Für Ende September oder Anfang Oktober steht offenbar die Gründung der Hamburger Gemeinschaftsgesellschaft beider Firmen bevor, die den Bau dieses 75sitzigen Regionalflugzeuges vorbereiten soll, das 1995 auf den Markt kommen könnte und dessen Endmontage MBB gern in den eigenen Werken sähe.

Bevor dieser Flieger, von dem nach den Planungen bis zum Jahr 2005 rund 400 bis 600 Stück verkauft werden sollen, in Angriff genommen werden kann, sind für MBB aber noch einige Hürden zu nehmen. Die Bundesregierung steht dem Projekt skeptisch gegenüber und will seine Förderung überhaupt erst prüfen, wenn die finanzielle Situation von MBB neben dem Beitrag zum verlustbringenden Europa-Flugzeug Airbus noch ein weiteres Großprojekt ermöglicht.

Wolfgang Gehrmann