Von Bernhard Blohm und Nikolaus Piper

Ein gespenstisches Bild: Schwerbewaffnete Polizisten riegeln ein riesiges, silbern schimmerndes Raumschiff hermetisch ab. Gegen den Wall aus Helmen und Schilden stürmen Tausende von Menschen an, um in das Raumschiff zu gelangen.

Doch diese Szene hat kein Science-Fiction-Filmer gestellt; sie ist der Alptraum von Friedrich Zimmermann, dem für die öffentliche Ordnung hierzulande zuständigen Bundesinnenminister: Das Raumschiff ist in Wahrheit das futuristische Internationale Congress Centrum in Berlin. Drinnen zelebrieren Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank ihre Jahrestagung, und draußen lärmen die Chaoten.

Wahrscheinlich hatten die Finanzminister und Notenbankgouverneure aus den 151 Mitgliedsländern des IWF nicht die leiseste Ahnung von den möglichen Konsequenzen ihres Tuns. Knapp vier Jahre ist es jetzt her, seit die Leitungsgremien von IWF und Weltbank auf eine Bewerbung der Bundesregierung hin West-Berlin zum Veranstaltungsort der 43. gemeinsamen Jahrestagung der beiden Institutionen im September 1988 bestimmten. Heute steht fest, daß die Berliner Jahrestagung sich von allen Vorgängerveranstaltungen radikal unterscheiden wird.

Was normalerweise ein Routineereignis von mäßigem Interesse für die Öffentlichkeit ist, hat in diesem Jahr schon im voraus eine beispiellose Welle von Protesten ausgelöst. Eine gut organisierte „IWF-Weltbank-Kampagne“ (Motto: „IWF und Weltbank organisieren die Armut der Völker – Schuldenstreichung sofort“) hofft, Frauenbewegung, Friedensbewegung, Kirchen, Umweltschützer, Teile der Gewerkschaften und Arbeitsloseninitiativen in einer „breiten internationalistischen Bewegung“ zu organisieren. „Der IWF gilt als das harte, die Weltbank als das weiche Monster“, beschrieb Hans Magnus Enzensberger in Geo das Unbehagen, das die in Washington ansässigen Finanzinstitutionen unter westdeutschen Intellektuellen ausgelöst haben.

Ob dabei alles mit rechten – sprich: friedlichen – Mitteln zugehen wird, ist schon fraglich. Zwar soll ein einmaliges Polizeiaufgebot Berlins „größten und wichtigsten Kongreß der Nachkriegszeit“ (Finanzsenator Günter Rexrodt) schützen. Zu den 9000 Berliner Polizisten werden noch 2500 Kollegen aus dem Bundesgebiet stoßen; rein rechnerisch wird so jeder Tagungsteilnehmer von 1,15 Polizisten bewacht – die offiziellen und privaten bodyguards nicht gerechnet.

Unter dem Motto „Verhindern wir den Kongreß“ machen inzwischen auch die Autonomen aus dem Bundesgebiet und Berlin mobil. Mit wüsten Drohungen wird da nicht gegeizt: „Kein Dialog mit den Weltbank-Mördern“ sprühten Unbekannte auf das Gebäude der Berliner tageszeitung. Die taz mußte ein Mitte März geplantes Forum zur Kritik an IWF und Weltbank unter massivem Druck aus dem Lager der Autonomen wieder absagen. Grund: Die alternativen .Presseleute hatten auch Repräsentanten der angegriffenen Institutionen zu Wort kommen lassen wollen.