Von Marie-Luise Hauch-Fleck

Mit Selbstlob sind die Hannoveraner Anlageberater Burckhard Gundlach und Klaus Sülter nicht gerade kleinlich. Im Hochglanzprospekt ihrer Firma, der Gundlach & Sülter AG Neue Medien, feiern sie sich als "nachdenkliche Manager", die "eine klassische Innovationsidee" hatten. "Sie saßen", beschreibt die Broschüre den historischen Augenblick, "im Flugzeug und diskutierten über auslaufende und aussichtsreiche Märkte. Folgerichtig stießen sie auf den Medienmarkt." An diesem Punkt ihres Gedankenaustausches angekommen, dämmerte den Finanzierungsprofis eine wichtige Erkenntnis: "Im Medienmarkt steckt etwas drin." Das war im Frühjahr 1985.

Die Geldquelle haben Gundlach & Sülter erfolgreich angezapft. Statt wie früher Bauherrenmodelle an den Mann zu bringen, machen sie nun Anlegern Investitionen ins Kabelgeschäft schmackhaft. Sie versprechen Traumrenditen und berufen sich auf einen seriösen Geschäftspartner: die Deutsche Bundespost. Bisher aber verdient in erster Linie die AG selbst.

Hilfreich ist ihnen dabei Peter Rump. Der Geschäftsführer der Wiesbadener Projektgesellschaft für Kabelkommunikation (PKK) verfügt über ausgezeichnete Kontakte nach Bonn. Denn Mitbegründer der PKK war 1980 der heutige Postminister Christian Schwarz-Schilling, damals noch medienpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion. Von seinen PKK-Anteilen hatte er sich erst wenige Stunden vor seiner Vereidigung getrennt.

Um möglichst schnell möglichst viele Kunden ans Kabel zu bringen, setzte Schwarz-Schilling kurz nach Amtsantritt durch, daß nicht mehr nur die Post, sondern auch Privatunternehmen Kabelanschlüsse legen dürfen. Diese Chance haben Gundlach & Sülter und die PKK gut genutzt. Gemeinsam haben sie inzwischen mehr als ein Dutzend privater Kabelgesellschaften mitgegründet. Die Gundlach & Sülter AG verkündet in Anzeigen, sie habe "einen wesentlichen Anteil über 50 Prozent am Kabelgeschäft" erreicht und bedankt sich für "vorbildliche Partnerschaft" mit der Post.

Für Gundlach & Sülter und die PKK eine lohnende Liaison. Beide Unternehmen schütteten im vergangenen Jahr eine Dividende von zwanzig Prozent aus. Ob das Kabelabenteuer auch für die Anleger profitabel ist, muß sich erst noch zeigen.

Die Bonner Kabelpolitik hat Gundlach & Sülter und der PKK eine neue Spielart von Abschreibungsgesellschaften ermöglicht. Ihre Kabel-Firmen sind überwiegend als GmbH & Co KG organisiert. Die Hannoveraner und die PKK beteiligen sich in der Regel lediglich an der GmbH mit einigen zehntausend Mark. Das haftende Kommanditkapital von mehreren Millionen Mark hingegen sammeln Gundlach & Sülter auf dem freien Kapitalmarkt. Mit hohen, steuermindernden Verlustzuweisungen während der ersten Jahre und der Aussicht auf hohe spätere Gewinne animieren die Finanzierungsprofis – wie schon früher – betuchte Anleger, Geld in ihre Beteiligungsfirmen zu investieren. Das sei ein völlig risikoloses Geschäft, versprechen sie in ihren Werbebroschüren.