Für den Mord an dem Kommunistenführer Ernst Thälmann im August 1944 im KZ Buchenwald gibt es keine Strafe. Der letzte SS-Charge, der deswegen zweimal vor Gericht kam, der pensionierte Lehrer Wolfgang Otto, mußte jetzt in Düsseldorf endgültig freigesprochen werden. Ist das der Lauf von Gerechtigkeit?

Vierundvierzig Jahre nach dem Mord und 20 Jahre nach dem Beginn der ersten Ermittlungen gegen Otto konnte wohl kein anderes Urteil gesprochen werden. So gesehen ist es auch das Urteil über eine Justiz, die oft zu spät und zu nachlässig solchen Tätern auf die Spuren ging. Während Staatsanwaltschaften die Ermittlungen einstellten, Gerichte Verfahren ablehnten, starben die letzten Zeugen. Otto kam so zur Gnade des verspäteten Prozesses. Ihm ließ sich für diese Tat nichts Konkretes mehr nachweisen.

In der deutschen Nachkriegsjustiz, die NS-Verbrechen zu ahnden hatte, gab es rühmenswerte Verfahren. Es gab auch peinliches Versagen. Der Gerichtsfall Thälmann zählt zu den beschämenden Beispielen. Das Düsseldorfer Urteil hat unsere Unfähigkeit, die eigene Vergangenheit im Gerichtssaal zu sühnen, auf beklemmende Weise aktenkundig gemacht. D. St.