Von Bernhard Lutz

Heidelberg

Die Heidelberger Grünen sehen rot: Wie sie erst jetzt erfahren haben, versucht ihr Mitglied Michael Gebing seit Dezember 1987 deutschen Männern philippinische Frauen zu vermitteln. Ausgerechnet bei einer Podiumsdiskussion über "Sextourismus und Heiratshandel" ist das bekannt geworden. Der Vorstand der Heidelberger Grünen hat beantragt, den Heiratsvermittler aus der Partei auszuschließen. Über den Antrag entscheidet in Kürze eine Schiedskommission.

Für den heute 37jährigen gelernten Bauzeichner Michael Gebing änderte sich sein Leben, als er während seiner Bundeswehrzeit im Februar ’76 mit seinem Escort bei Glatteis gegen einen Laternenpfahl schleuderte. Seitdem ist er Rollstuhlfahrer und kann beide Arme und beide Beine nicht mehr voll bewegen. Seine Freundin, mit der er jahrelang zusammengelebt hatte, verließ ihn. Auch andere Menschen brachen den Kontakt zu ihm ab. Gebing brauchte Jahre, um sich zu fangen. Er fand keine Partnerin mehr. 1981, im Jahr der Behinderten, trat er den Grünen bei, wo er sich verstanden glaubte. 1984 begann er in Mannheim Sozialpädagogik zu studieren, auch um herauszufinden, an wem eine neue Beziehung scheiterte, "an mir oder an den Frauen".

Von den Philippinas hörte er erstmals 1985, als ihm ein Bekannter von den sozialen Qualitäten der Asiatinnen vorschwärmte: Ein Verhaltenskodex, der Utang na-loob, verpflichtet Philippinas, gute Taten mit Liebe, Wärme und Zärtlichkeit zu vergelten; deshalb würden diese "sogar mit Behinderten zusammenleben".

Gebing fuhr auf die Philippinen. Dort fühlte er sich tatsächlich zum ersten Mal seit seinem Unfall wieder als Mann und Mensch akzeptiert. Er lernte eine Philippina kennen und lieben, und er heiratete sie. Im vergangenen September gebar seine Frau eine Tochter.

Nun will Gebing sein Glück, auch anderen deutschen Männern zukommen lassen. Er habe nämlich erkannt: Hierzulande scheiterten Beziehungen häufig daran, daß die deutschen Frauen – anders als die Philippinas – nicht mehr die Beziehung in den Mittelpunkt stellten, sondern politisch aktiv seien und Karriere machten.