Hamburg

Nun dürfen sie also. Mehr noch: sie sollen sogar. Die "Hosteß, 27", das "18jährige Thai-Mädchen" oder die "Bangkok-Hosteß, Blankenese", sie alle sind jetzt willkommen in den Anzeigenspalten der Hamburger Morgenpost.

Das Pikante daran: Wolfgang Clement, seit zwei Jahren Chefredakteur des Boulevardblatts von Gruner+Jahr, war einst angetreten mit der erklärten Absicht, die "Mopo" zu säubern – er wollte weg vom alten Schmuddelimage der "Nuttenpost", das immer noch an der Morgenpost klebte. In der ganz schwarzen Zeit der Zeitung, im Jahr 1980, als sie den Schweizer Brüdern Greif in die Hände gefallen war, war es die "Nuttenkasse" gewesen, die das Blatt am Leben hielt: eine Schachtel voller Anzeigengelder, und die stammten direkt aus dem Milieu. Davon also wollte Clement so weit weg wie irgend möglich, und die Kontaktanzeigen der "Bangkok-Girls" und Dominas ließ er folglich ganz aus dem Blatt verschwinden.

Die Zeit der Skrupel ist nun vorbei. Die "Mopo" muß unvermindert heftig ums Überleben kämpfen und wird dabei der Bildzeitung, ihrem Gegner im "Hamburger Zeitungskrieg", immer ähnlicher. Bunter, aggressiver, sensationeller und sexueller soll sie werden, das bringt Auflage. Seit einigen Monaten sind die Damen wieder da.

Und bekommen jetzt sogar Rabatt: "Quasi zur Begrüßung" wolle man "unseren Kundinnen vom horizontalen Gewerbe" ein Sonderangebot machen, läßt eine Hausmitteilung aus der Chefetage die Anzeigenabteilung wissen. "Wer bis einschließlich Freitag, den 2. September, Anzeigen für die Rubrik Treffpunkte aufgibt, zahlt pro Zeile statt zwanzig Mark nur zehn Mark, pro Millimeter statt zehn Mark nur fünf Mark."

Größer, schöner, schmissiger sollen die Damen ihre Anzeigen in Zukunft schalten, nicht nur dröge und schüchtern in drei Worten wie bisher: "Wir sollten versuchen, die Damen von den Vorteilen gestalteter Anzeigen zu überzeugen, was bei dem Sonderpreis nicht zu schwer fallen sollte." Bisher sind die Anzeigen nicht nur zu klein, finden die Chefs, es sind auch einfach zu wenige. Die Damen sollen umworben werden, persönlicher Einsatz wird verlangt von den Anzeigenleuten: "Ich möchte dringend darum bitten, daß sich wirklich jeder Mitarbeiter um eventuelle Kundinnen oder Kunden kümmert", befiehlt die Hausmitteilung. "Auch sollten wir darauf achten, daß die Kundinnen den Eindruck gewinnen, sie seien hier willkommen."

"Mit herzlichem Gruß" schließt die Hausmitteilung, nicht ohne "uns allen viel Erfolg" zu wünschen und noch einmal zu sagen, worauf es künftig ankommt: "Wir können es uns einfach nicht leisten, den möglichen Umsatz mit dem Gewerbe durch unfreundliches oder abweisendes Verhalten zu gefährden." B. S.