DIE ZEIT

Chance für Polen

An der Spitze geht ein Priester, Pater Jankowski, mit einem hohen Kruzifix, dahinter ein paar tausend Arbeiter, die patriotische Lieder singen – so verließen die Streikenden das Gelände der Lenin-Werft.

Feuerwehr

Mehr als hundert Wissenschaftler aller Sparten haben sich, so heißt es, der britischen Atomenergie-Behörde als eine Art freiwilliger Spezialfeuerwehr zur Verfügung gestellt.

Gnaden-Akt

Richard von Weizsäcker steht vor einer der schwierigsten Entscheidungen seiner ersten Amtszeit. Dies war im Grunde schon vorauszusehen, als er vor zwei Jahren auf dem Juristentag die Sätze aussprach: „Wichtiger als die Lehre vom Tätertyp ist die Einmaligkeit jeder Person.

Ein Oskar für den Zeitgeist

Eine überraschend freundliche Presse, anhaltendes demoskopisches Hoch, ein Parteitag mit Kontroversen im Rücken, die Neugier weckten – die SPD hatte einigen Anlaß, selbstbewußt in den politischen Herbst zu ziehen.

Worte der Woche

„Wir können nicht nur mit Gewerkschaften gut Freund sein und die ganze Wirtschaft verprellen. Wir sollen eines Tages wieder einen Staat mit 60 Millionen Menschen führen.

Zeitspiegel

Die Bundeswehr soll den Boden der Bundesrepublik schützen, also auch den deutschen Schlick vor der Küste. Doch was tun die Soldaten? Sie testen Waffen ebendort.

„Denkt doch endlich um!“

Draußen am Pistenrand der Air Base Ramstein sieht alles fast noch genau so aus wie an jenem Sonntag. Nur ist die Szene menschenleer, die Flaggen wehen auf halbmast.

Leben unter Stalins letztem Erben

Die vierspurige Straße von Bukarest nach Ploieşti ist keine Autobahn, sondern eine überdimensionale Dorfstraße. Die Kühe grasen bis an die Fahrbahn, Pferdefuhrwerke bringen den Verkehr ins Stocken, und Radfahrer bewegen sich auf der Gegenfahrbahn voran.

Fragen an die Deutschen

Daß die Wiederkehr längst abgeschriebener deutscher Themen bei Nachbarn und Freunden eine gewisse Verblüffung wachruft, ist mittlerweile bekannt und braucht nicht weiter betont zu werden.

Ben Witter: Angetippt

Der gute Deutsche soll leben, dreimal hoch ist zu wenig. Denn so, wie er jetzt ist, war er noch nie, oder? Ich übertreibe, aber der gute Deutsche von heute übertreibt genauso wie der von irgendwann, obgleich er sich selbst zur Mitte gleichgeschaltet hat.

Hans Apels Rücktritt: Einer meldet sich ab

Als in der Haushaltsdebatte als erster SPD-Redner Helmut Wieczorek auf den Finanzminister antwortete, saß Hans Apel in der zweiten Reihe, eingerahmt von Anke Fuchs und Ingrid Matthäus-Maier.

Kurswechsel im Iran: Warten auf den Frieden

Seit der Iran die Uno-Resolution 598 angenommen hat, macht ein neues Wort im Teheraner Basar die Runde: „Herzleiden 598“. Gemeint ist damit der häufige Herzinfarkt, unter den Kaufleuten, namentlich den Devisenhändlern und Importeuren, deren Kapital ganz oder zum Teil dem Frieden zum Opfer gefallen ist.

Chile vor dem Plebiszit: Aufbruch zu einem fernen Ziel

Eine friedliche Veranstaltung sollte es werden, in der sich die chilenische Opposition ihrer Stärke vergewissern wollte. Doch dann leitete sie doch wieder Wasser auf die Mühlen des Diktators: Nach dem Ende einer friedlichen Protestdemonstration zogen am vergangenen Sonntag zehntausende meist junger Chilenen zum Regierungspalast, durchbrachen die Kordons der Schutzpolizei und lieferten sich mit der Bereitschaftspolizei eine stundenlange Straßenschlacht: Steine, Knüppel, Wasserwerfer, Tränengas, neun Tote, über 250 Verletzte.

WELTBÜHNE: Lob der Langsamkeit

Für welche Zwecke wird denn eigentlich so schnell gefahren?" fragte Anno 1912 der Freiherr von Pidoll in Wien...............

Geschäfte der Genossen

Korruptionen während der Breschnjew-Ära sind in diesen Tagen Gegenstand eines Moskauer Gerichtsverfahrens. Im Wirbel der Ermittlungen hatten zwei Minister und ein Vizeminister Selbstmord begangen.

BONNER BÜHNE: Sinn und Reform

So freundlich hat die Union Hans Apel noch nie behandelt. CDU-Generalsekretär Heiner Geißler schilderte ihn als einen braven Parteisoldaten, der immer für die SPD den Kopf hingehalten habe.

GROSSBRITANNIEN: Gezielte Todesschüsse?

Am Dienstag begann in Gibraltar die amtliche Untersuchung des Vorfalles, bei dem ein britisches Polizeikommando im März dieses Jahres drei unbewaffnete IRA-Angehörige in der britischen Kronkolonie erschossen hatte.

Boom und Spiele

Der Wirtschaftsaufschwung und die Olympiade haben Südkoreas beginnende Demokratisierung ermöglicht

200 000 besaufen sich in Hartenholm: Geil oder was

Den Reporter hatte erst gar kein Bock, von wegen Werner und so. Aber dann an Sonnabend hörte er immer in Radio, wie die Straßen zu sind, da um Hartenholm, und da hat er sein klein Bruder angerufen und hat gesagt: „Ey, Alter, hastu Bock zu den Festival hin?“, und da hat den Bruder gesagt: „Klar, Mann.

Auf dem Markt verirrt

Auch nach dem Parteitag in Münster fehlt der SPD ein wirtschaftspolitisches Konzept

Arbeitslose: Kaltschnäuzig

Nichts bestätigt den Verdacht, daß die Arbeitsämter weniger effizient arbeiten als irgendeine andere Behörde oder Parteizentrale in unserem Land.

Getreideernte: Zynisch

Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle betätigte sich als Nachhilfelehrer in Sachen Ökonomie: „Insgesamt macht mehr Menge natürlich auch mehr.

Rundfunkgebühren: Willfährig

Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hält die Praxis, daß Politiker die Höhe der Rundfunkgebühren bestimmen, für verfassungswidrig.

Nord-Süd-Gefälle: Zielstrebig

Seit mehr als einem Jahrzehnt jammern Unternehmer, Politiker und Gewerkschafter in den deutschen Küstenstaaten darüber, daß der Süden der Republik den Norden wirtschaftlich immer weiter abhängt.

Sozialpolitik in der EG: Die Schwachen werden schwächer

Die bundesdeutschen Brummis zieht es in die Ferne. Nachdem die Fuhrunternehmer die Schlacht gegen die Liberalisierung des Straßentransportes verloren haben, wollen viele ihre Lasterflotte "ausflaggen", das heißt im Ausland zulassen.

Rudolf Engen: Der Ball ist eckig

Immer wenn etwas nicht so rollt, wie es rollen soll, holt man sich Rat und Hilfe bei der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA).

Italien: Aufstand der Cobas

Das ist der teuerste Tarifvertrag, den die Republik Italien je abgeschlossen hat", kommentierte Ottaviano del Turco, stellvertretender Leiter des kommunistischen Dachgewerkschaftsverbandes CGIL.

Gewerkschaften: Kurzschluß mit schweren Folgen

Wir stecken in der tiefsten Krise unserer Geschichte", stellte bitter und resigniert Bill Jordan, der Chef der Metallergewerkschaft, fest, "wegen eines Streites um zwei lächerlich kleine Unternehmen haben wir uns drei Jahre gestritten und dann gespalten.

Alterssicherung: Blüms heimlicher Coup

Norbert Blüm gab sich auffallend zugeknöpft. Allen Fragen nach seinen Plänen zur Rentenreform begegnete der Sozialminister am vergangenen Wochenende mit launigen, aber nichtssagenden Sprüchen.

Berlin: Warten auf den Retter

Am Donnerstag vergangener Woche lud Walter Treser seine 120 Mitarbeiter zum Fest hinter die Hallen seiner Autofabrik in Wittenau.

Markt-Report: Ende der Zinsangst

Die Börsianer werden zusehends nervöser. Zwar gab es zum Wochenbeginn keine schlechten Nachrichten, die für fallende Kurse hätten sorgen können.

MANAGER UND MÄRKTE

Zeit heilt Wunden. Das gilt wohl auch für die Verantwortlichen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Total verärgert hatten sie im Sommer 1986 ihre Beteiligung am Mainzer Privatsender SATl zurückgegeben.

ZEITRAFFER

Teilzeitarbeit liegt weiter im Trend. In den ersten sechs Monaten vermittelten die Arbeitsämter 96 300 Arbeitnehmer auf Teilzeitarbeitsplätze, das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Prinzip Hoffnung

ZEIT: Das Kraftwerk Buschhaus ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. Der jährliche Schadstoffausstoß war zum Stichtag am 30.

LÄNDER IM VERGLEICH

Bis zur Jahrtausendwende werden, so die Vorausschätzungen der Baseler Prognos AG, die jüngsten EG-Mitgliedstaaten Portugal, Spanien und Griechenland innerhalb der Gemeinschaft das kräftigste Wirtschaftswachstum erleben.

Versuch, einen Vater zu finden

Auswendig gelernt, die äussere Kruste des Gewesenen, in die Kette der Jahre gezwängt, die zurückrasselt in den Brunnen. Statt der Wahrheit Wünsche an sie, auch Gaben von der Katze Erinnerung, dem Gewesenen hinterher schon durch die Verspätung der Worte, nicht wie es war, bloss was ich davon finden konnte: 1888.

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