Mit der Börseneinführung sieht der Spezialist Jürgen Oppermann noch kein Ende der Expansion

Von Gunhild Freese

Wie eine Erfolgsstory hört sich das nicht gerade an, wenn Jürgen Oppermann den Beginn seiner Unternehmerlaufbahn vor nunmehr gut zwanzig Jahren schildert. Und so richtig gern erzählt er auch nicht mehr von seinem mühevollen Start. Inzwischen nämlich hat er seinen Werbeartikel-Versand in Riesenschritten an die Spitze der Branche gebracht. Längst hat er auch die engen bundesdeutschen Grenzen überschritten und erobert zügig gleich sechs Nachbarmärkte. Der Start in Großbritannien steht kurz bevor. In diesem Herbst auch will Jürgen Oppermann den Gang an die Börse wagen: Die Oppermann Versand AG in Neumünster soll fit gemacht werden für eine noch schönere Zukunft.

Vierzig Prozent des auf 25 Millionen Mark angehobenen Grundkapitals sollen breit gestreut werden, 56 Prozent will Oppermann selbst behalten, vier Prozent bleiben im Besitz seiner Eltern, mit denen er seine Firma aufgebaut hat.

Mit der Oppermann Versand AG kommt ein Unternehmen an die Börse, das seit seiner Gründung 1980 in beinahe jedem Jahr um mehr als fünfzig Prozent gewachsen ist. Im vergangenen Jahr legte der Versender, der Unternehmen mit Werbeartikeln vom Feuerzeug zu 33 Pfennig bis zum Stereo-Turm für 469 Mark beliefert, sogar um mehr als achtzig Prozent zu. Und in diesem Jahr soll der Umsatz noch einmal um rund ein Viertel auf über 350 Millionen Mark klettern. Die Ertragskraft, so versichert der nun 41jährige Unternehmer, hat unter der rasanten Expansion nicht gelitten: 1987 verdreifachte sich der Jahresüberschuß auf 26,8 Millionen Mark.

Von solch unternehmerischen Höhenflügen konnte Jürgen Oppermann nicht einmal träumen, als er Ende der sechziger Jahre nach mittlerer Reife und zwei Jahren Handelsschule als Groß- und Außenhandelskaufmann in den väterlichen Betrieb in seiner Heimatstadt Hamburg eintrat. Mit dem Vertrieb von Schweißelektroden erlöste das dreiköpfige Unternehmen – die Mutter war für die Buchhaltung zuständig – im Jahr höchstens 150 000 Mark und schwebte stets in Existenznot. Schon damals suchte der junge Oppermann nach zukunftsträchtigeren Möglichkeiten – und landete gleich einen Flop. Von den billigen Feuerzeugen aus Fernost, die er den Hamburger Tabakwarenhändlern verkaufen wollte, wurde er nämlich nicht ein Stück los. Erst als er darauf seinen ersten kleinen Werbeprospekt zusammenschusterte, hatte er mehr Glück. In einer Auflage von eintausend Stück offerierte er Autohändlern und Reparaturwerkstätten Autoschlüsseltaschen mit Prägung. Damit, so sagt er heute, habe er Erfahrung gesammelt. Über seinen zweiten Prospekt wurde er sogar noch seine Feuerzeuge los. 1970 lag der Umsatz des Unternehmens, das nun auch andere Werbeartikel offerierte, bei einer Million Mark. Und da blieb er – bis Ende der siebziger Jahre.

Ausgerechnet in einem Managementseminar fand der ratlose Oppermann den Schlüssel zum Erfolg. Der Frankfurter Berater Wolfgang Mewes (Werbeslogan: "Ihre Strategie ist falsch"), der bis heute Gesprächspartner des nun erfolgreichen Unternehmers ist, entwickelte seine "Ergokybernetische Strategie" aus den Erkenntnissen des Chemikers Justus von Liebig. Eine Pflanze, so entdeckte der Wissenschaftler im vergangenen Jahrhundert, könne nur so weit wachsen, wie es der knappste unter allen benötigten Wachstumsfaktoren erlaube – der Minimumfaktor. Nur diesen Faktor brauche daher der Landwirt zuzusetzen. Diesen Minimumfaktor, so nun Stratege Mewes, gelte es auch in einem Unternehmen ausfindig zu machen und alle Kräfte und Mittel auf die Lösung dieses Engpaßproblems zu konzentrieren. Alle anderen Probleme lösten sich dann von selbst. Selbst in der Bergpredigt fand Mewes einen Nachweis für die Richtigkeit seiner Strategie: "Sorge dich nicht um den kommenden Tag, sondern tue heute das Wirksamste, das in deinen Kräften steht."