DIE ZEIT

Endlich freigelassen

Mit der Freude über die Freilassung von Rudolf Cordes regt sich auch der Verdacht. Hat er seine Freiheit geheimgehaltenen Konzessionen zu verdanken, warf Bonn zur Rettung des gepeinigten Bundesbürgers rechtsstaatliche Prinzipien über Bord? Zu umbarmherzig gaben sich die Geiselnehmer, zu direkt verbanden sie das Schicksal ihres Gefangenen mit dem der hierzulande inhaftierten Hamadi-Brüder, als daß ihnen die Freigabe des Opfers ohne Gegenleistung entsprochen hätte.

Schnell gemaßregelt

Verteidigungsminister Rupert Scholz zieht am laufenden Bande Konsequenzen – und bringt sich damit selbst in Gefahr. Gewiß, zu den makabren Vorgängen vor und nach der Katastrophe von Ramstein gehörte auch dieser: Am selben Tag fand in Nörvenich ein Flugtag der Bundeswehr statt, der mit einem Fliegerball ausklang.

Bonn – wie gehabt

Die Hochstimmung der Union, wie sie jüngst noch in der Haushaltsdebatte zu spüren war, ist schnell wieder verflogen. Die günstigere Haushaltslage, bedingt durch eine kräftige Konjunktur und die Erwartung hoher Bundesbankgewinne, das skeptische öffentliche Echo auf den Versuch der SPD, Kompetenz in der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu demonstrieren – all das floß zusammen zu einem Strom von Optimismus.

Worte der Woche

„Für uns als Arbeitnehmer, Gewerkschafter und teilweise SPD-Mitglieder ist es niederschmetternd, aus dem Munde des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden zu hören, die Arbeitszeit solle auf Samstag und Sonntag ausgedehnt werden, um die Produktionskosten zu senken.

Zeitspiegel

Die politische Öffnung, zu der Staatspräsident Mitterrand die Franzosen nur langsam zu bewegen vermag, löste jetzt eine verblüffende journalistische Ouvertüre aus, die sein Herz erfreuen wird: Der rechtskonservative Figaro hat seit Beginn dieser Woche einen linksliberalen Chefredakteur, den 39jährigen Franz-Olivier Giesbert, bisher einer der fähigsten politischen Köpfe im Nouvel Observateur.

War er Komplize oder Mörder?

Der 14. Juni 1985 war ein klarer, sonniger Tag, erinnert sich im Sitzungssaal der Frankfurter Jugendkammer Kurt Carlson, Reservemajor der US-Armee.

Kernkraft: Knockout für Kärlich?

Zum ersten Mal mußte in der Bundesrepublik ein arbeitendes Kernkraftwerk wenige Tage vor der endgültigen Betriebsgenehmigung abgeschaltet werden, weil das Bundesverwaltungsgericht in West-Berlin die Erste Teilerrichtungsgenehmigung (TEG) für "insgesamt rechtswidrig" erklärt hat.

Unverdrossen, zäh und eilig

Manchmal drängt sich doch der Verdacht auf, Peter Glotz sammle nur wieder Stoff für sein nächstes Tagebuch. Über die Innenausstattung der Nacht und eine Kampagne in Deutschland hat er bereits geschrieben, der neue Bericht könnte heißen: Innenausstattung der Ohnmacht oder eine Kampagne in Bayern.

Straferlaß für reuige Terroristen?: Der einsame Gnadenherr

Wenn Bundespräsident Richard von Weizsäcker demnächst über die Gnadengesuche von zwei zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten ehemaligen Terroristen – Peter-Jürgen Boock und Angelika Speitel – befinden muß, wird er vor der vielleicht schwierigsten, gewiß aber vor der einsamsten Entscheidung seiner bisherigen Amtszeit stehen.

Horn von Afrika: Der Krieg mit dem Hunger

In Wilhelmsburg, irgendwo im Labyrinth des Hamburger Hafens, liegt die Danica Four mit leerem Bauch vor Anker. Die Besatzung wartet auf die Order, Zelte, Kleider, Medikamente, Heilnahrung und zwei Rot-Kreuz-Landrover zu verstauen.

Der Dialog der Stummen

Dies ist die Endphase“, vertraute ein in der Hierarchie recht weit oben stehendes Mitglied der „Irisch-Republikanischen Armee“ (IRA) jüngst der nordirischen Zeitschrift Fortnight an, die das Zitat in Balkenlettern aufs Titelblatt ihrer Septemberausgabe druckte.

NACHRUF: Genosse der Bauern

Er durfte mehr als die meisten in der DDR, nämlich Fehler benennen und sie korrigieren. Werner Felfe übernahm 1981 im Politbüro das Ressort Landwirtschaft, für manche Beobachter ein schweres Erbe.

BONNER BÜHNE: Ein Herz für St. Pauli

Ohne viel Federlesens ist die Entscheidung gefallen, daß ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuß herausfinden soll, was sich an jenem Unglücks-Sonntag in Ramstein und Nörvenich ereignet hat und wer dafür die Verantwortung trägt.

NACHLESE: Aufbruch der Esten

Die Esten, so sagt man, hätten sich ihre nationale Freiheit ersungen – damals, im vergangenen Jahrhundert, als sie mit Sängerfesten ihr wachsendes Nationalbewußtsein gegenüber dem russischen Zaren zum Ausdruck brachten.

WELTBÜHNE: Zurück zu den Quellen

Es gibt sie noch, aber mittlerweile sprechen sie selbst von der "großen Krise", der "Notwendigkeit eines Neuanfangs", der "verpaßten Chance" in den siebziger und achtziger Jahren.

Entscheidung im Hamburger Schanzenviertel: Schluß mit „Flora“

Mit der Entscheidung des Hamburger Senats, den ehemaligen Tanz- und Variete Palast „FLORA“ nicht mehr, wie geplant, in ein Musical-Theater zu verwandeln, findet eine monatelange Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern und Gegnern des Projekts ihr einzig mögliches Ende.

Ein Soldat stand vor Gericht: Sprengstoff vom Freund

Alle waren nett zu ihm. Andreas W., 24 Jahre alt, Ex-Stabsunteroffizier der Bundeswehr, stand vor dem Hamburger Amtsgericht, angeklagt wegen Kriegswaffen- und Sprengstoffbesitz, und weder Richter noch Staatsanwalt wollten ihn gerne verurteilt sehen.

Auf Atomkurs: Keine Jobs für Gegner

Wenn im Landkreis Lüchow-Dannenberg Stellen in der Verwaltung und anderen öffentlich-rechtlichen Bereichen besetzt werden sollen, dann sind die Atomanlagen bei Gorleben immer mit im Gespräch.

Der Bierprinz

Prinz Luitpold von Bayern gehört zu den wenigen im Freistaat, die auch in diesem Jahr keinen rechten Geschmack am Oktoberfestbier finden.

UKW-Frequenz 97,1: Wer, bitte, sendet hier?

Hallo, ich begrüße Sie zum Vormittagsmagazin von Radio Korah, äh, ’tschuldigung, von Siebenundneunzig, eins... Am Mikro Dirk Steffke – weiter mit Musik.

Unternehmer sind auch Wähler

Ein ZEIT-Gespräch mit Oskar Lafontaine über Wirtschaftspolitik und Gewerkschaften

Guter Wille über alles

Die Deutsche Bundesbank, so steht es im Paragraphen 12 des Bundesbankgesetzes, ist "von Weisungen der Bundesregierung unabhängig".

Bonner Kulisse

Wetten, daß? Von der Haushaltsdebatte der vergangenen Woche wird vor allem der Eindruck bleiben, daß alles ein bißchen besser als vorgesehen läuft.

Binnenmarkt: Steuer als Bremse

Wollen die Regierungen der EG den Binnenmarkt? Die Brüsseler EG-Kommission stellt die Frage, weil ihr plötzlich Salven der Kritik am Projekt 1993 um die Ohren fliegen.

Atomenergie: Angst vor dem Ende

Die Entscheidung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, den sofortigen Vollzug der Betriebsgenehmigung für das nukleare Zwischenlager in Gorleben anzuordnen, kommt nicht überraschend.

Damm gegen Plastikflut

Bundesumweltminister Klaus Töpfer kam gut, erholt aus seinem Urlaubsort in den französischen Cevennen zurück. Die Sommerfrische in dem Land der Kunststoffwasserflaschen (jährlich zwei bis drei Milliarden PVC-Flaschen) habe ihn motiviert, mit noch größerem Nachdruck die Plastikmüllflut im eigenen Land zu bekämpfen.

Landesbanken: Szenen einer Ehe

Alles braucht seine Zeit. Ende 1976 streckte der damalige Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB), Ludwig Poullain, zum erstenmal seine Fühler nach Hessen aus.

Bank und Börse: Frankreich: Fonds en vogue

Der Unterschied ist auffallend. Wer hierzulande zu seiner Bank oder Sparkasse geht und einige hundert Mark anlegen möchte, dem nennt der Kundenberater einfach die Sparbuchkonditionen des Hauses.

MANAGER UND MÄRKTE

Ob die Stuttgarter Daimler-Benz AG eine Beteiligung beim Luft- und Raumfahrtkonzern MBB erwerben wird, ist unsicherer denn je zuvor.

ZEITRAFFER

Bundesdeutsche Anleger zieht es stärker ins Ausland. Während im Juni per saldo 4,5 Milliarden Mark in ausländische festverzinsliche Wertpapiere und Aktien investiert wurden, stieg das Volumen im Juli sogar auf 9,3 Milliarden Mark.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Staatsverschuldung spielt in der finanzpolitischen Diskussion in der Bundesrepublik eine entscheidende Rolle. Der internationale Vergleich allerdings zeigt, daß die deutsche Haushaltspolitik bisher durchaus moderat war.

Echte Gefahr

ZEIT: Herr Professor Kuhlmann, die Autoindustrie wirbt derzeit mit ganzseitigen Anzeigen für angeblich umweltschonende Dieselautos, die von Bonn jetzt „abgewürgt“ werden sollen.

Insider-Skandal: Verstöße am laufenden Band

Auf den Vorwurf der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, sein Unternehmen sei in den bislang größten Skandal um Insider-Geschäfte an der New Yorker Börse in der Wall Street verwickelt, reagiert Frederick H.

Promille trüben den Blick

Der wirtschaftliche Aufschwung Großbritanniens sei ganz großartig, meinte der Begleiter auf dem Weg vom Flughafen Heathrow zur Londoner Innenstadt.

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