Eine kam durch. Die SPD hat Ingrid Matthäus-Maier zu ihrer Sprecherin in Sachen Finanzpolitik und damit zur Gegenspielerin Gerhard Stoltenbergs gewählt. Ein Generationenwechsel: Auf Hans Apel, den Vorgänger Stoltenbergs aus der Ära Schmidt, folgt die energische und ergebnisorientierte Neu-Sozialdemokratin.

Sie gehört zu jenen drei Sozialliberalen, die nach der Wende 1982 der FDP aus Überzeugung den Rücken kehrten. Ihnen ist damals nachgerufen worden, in der SPD würden sie zwangsläufig untergehen. Die Zweifler müssen längst die Segel gestrichen haben. Günther Verheugen, ehedem Genschers fast ideale Ergänzung als Generalsekretär: ein Mann mit vielen Begabungen, derzeit mit der undankbaren Aufgabe betraut, den Vorwärts zu beleben. Andreas von Schoeler: Er wechselte aus dem Bonner Innenministerium als Staatssekretär ins hessische Innenministerium, und er wäre mittlerweile Innenminister in Hamburg, wenn sich die dortige FDP nicht quergelegt hätte. So lange bluten die Wunden.

Ingrid Matthäus-Maier kehrt übrigens zu ihren Anfängen zurück. Sie hatte sich 1979, da war sie gerade 34 Jahre alt, den Vorsitz im Finanzausschuß erobert. Auch auf ihren Umwegen bleibt sie geradlinig.

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Vorige Woche erging im Bonner Zeitungsviertel ein Rundruf, und wenig später fanden sich knapp zwei Dutzend Journalisten brav und neugierig im Verteidigungsministerium ein. Die Regeln setzen in solchen Fällen die Einladenden fest. Also hieß es im Prolog, nicht die beiden Militärs vorne am langen Tisch dürften zitiert werden, sondern die Formel müsse lauten: „Wie aus der Luftwaffe verlautet“ (oder so ähnlich). Es muß vermutet werden, daß die Luftwaffe der Öffentlichkeit wesentliche Dinge nahebringen wollte, was die Ereignisse von Ramstein und Nörvenich anbelangt. Es ist ihr nicht recht gelungen. Mit ihrer halb-konspirativen Veranstaltung hat sie die Dinge nur verschlimmert.

Zuerst wollten die Journalisten 165 Minuten lang nicht glauben, was sie zu hören bekamen. Die Luftwaffe bemühte sich redlich, die zwei Generale zu schützen, die beim Flugtag in Nörvenich eine höchst unglückliche Figur gemacht hatten. Als erste Nachrichten aus Ramstein kamen, berieten sich der zuständige Kommodore und sein Divisionskommandeur mit den beiden Generalen, mit General Vieth und General Schmitz. Nun gut, die Lage war unübersichtlich. Der Flugtag wurde nicht abgebrochen.

Um 17.08 Uhr flogen die beiden Generale nach Hause. Sie wußten, daß der Flugtag in einen fröhlichen Fliegerball übergehen würde. Sie müssen irgendwann gehört oder gesehen haben, was in Ramstein wirklich passiert war. Keiner von beiden kam jedoch auf die Idee, so verlautete nun aus der Luftwaffe, in Nörvenich anzurufen und anzuregen, daß der Fliegerball abgebrochen wird. Und keiner von beiden kam auf die Idee, auf der Hardthöhe anzurufen.