Die anfängliche Begeisterung über die Perspektive eines europäischen Binnenmarktes hat sich gelegt. Auch den Optimisten wird bewußt, wie viele Hürden vor diesem Ziel erst überwunden werden müssen. Vor allem die Harmonisierung der indirekten Steuern in den zwölf Mitgliedsländern erweist sich als Problem. London will gar nichts davon wissen, Paris schafft es nicht bis Ende 1992, und manch anderes Land wäre wohl für einen Aufschub dankbar.

Wenn die EG-Finanzminister jetzt nach ihrem Treffen auf Kreta keine Fortschritte melden konnten, dann ist deswegen der Binnenmarkt noch längst keine tote Idee. Fachleute haben von vornherein daran gezweifelt, ob das gigantische Vorhaben der Vereinheitlichung von zwölf nationalen Steuersystemen fristgerecht zu schaffen ist. Auch EG-Präsident Jacques Delors sah das Problem immer realistisch.

Richtig ist, daß die Grenzkontrollen nur wegfallen können, wenn die Harmonisierung gelingt. Doch viele Hindernisse, die heute noch einer Öffnung der Märkte im Wege stehen, lassen sich ungeachtet der Steuerproblematik aus dem Weg räumen. Wenn das gelingt, kommt Europa schon einen großen Schritt weiter. smi