Vom Herbst an wird es mehr Flugverbindungen zwischen bundesdeutschen Städten und Berlin geben. Ob die Preise sinken, steht noch nicht fest.

Zu den Newcomern im Berlinflugverkehr gehört neben TWA nun auch die neu gegründete „Euro-Berlin France“, eine Gesellschaft, an der die Lufthansa mit 49, die Air France mit 51 Prozent beteiligt ist. Als Starttermin für die neue Verbindung zwischen Berlin-Tegel und den Städten Frankfurt, Köln/Bonn, Stuttgart und München ist der 1. November geplant.

Bisher hatten sich Air France British Airways und PanAm, die Airlines der ehemaligen Siegermächte, das lukrative Geschäft geteilt. Denn der Flugverkehr von und nach Berlin war seit Kriegsende keine Bundesangelegenheit, sondern oblag der Aufsicht und Genehmigung des alliierten Kontrollrats. Dieses Politikum paßte jedoch schon lange nicht mehr ins Bild eines inzwischen weitgehend liberalisierten Weltluftverkehrs.

Unzufrieden mit dem Angebot der Monopolisten waren vor allem die Passagiere. Sie beklagten zu hohe Preise und mangelhaften Service und zeigten sich verärgert wegen überbuchter, verspäteter oder ausgefallener Flüge.

Als die TWA mit Sommer beginn ihre Berlin-Flugpläne konkretisierte, schienen für die Verbraucher goldene Zeiten anzubrechen. Für die Route Frankfurt-Tegel und zurück stellte sie den Einführungspreis von 159 Mark in Aussicht. (Die derzeit üblichen Preise liegen zwischen 254 und 388 Mark.) PanAm kündigte daraufhin für die Strecke Hamburg-Berlin einen Sondertarif von 99 Mark für Hin- und Rückflug an. Doch die Luftfahrt-Attaches verweigerten die Zusage.

TWA hat nun, wenngleich zu den üblichen Tarifen, die Flugfrequenz ab Frankfurt erhöht und neue Flüge von Hamburg und Stuttgart aus aufgenommen. British Airways bedient neuerdings München und wird vom Winter an nach Frankfurt fliegen, Jets der PanAm landen nun auch in Düsseldorf. Mehr Konkurrenz, so hoffen die Verbraucher, könnte für besseren Service sorgen.

Hinter dem Engagement der Airlines steckt offensichtlich mehr als nur die Aussicht auf gute Einnahmen aus dem Passagierdienst. Im Gegensatz zu anderen mitteleuropäischen Flughäfen nämlich ist Tegel noch nicht voll ausgelastet. Berlin hätte demnach noch Slots zu vergeben. Diese „Flugstraßen“ sind bei der gegenwärtigen Überfüllung des internationalen Luftraums sehr begehrt. Eine Aufwertung Berlins als künftiges Drehkreuz schwebt wohl auch der Tegeler Flughafenverwaltung vor: Sie hat bereits eine Erhöhung der Abfertigungsgebühren angekündigt. Willi Bremkes