Von Jacques Isnard

PARIS. – In der Bundesrepublik hält die Debatte um die Bemühungen von Daimler-Benz an, einen großen Teil der westdeutschen Rüstungsindustrie zusammenzufassen. Vielleicht können in dieser Debatte die französischen Erfahrungen von Nutzen sein.

Seit 1984 verläuft die Entwicklung eindeutig. Damals erzielte die französische Rüstungsindustrie einen Exportrekord von 62 Milliarden Franc. Dann ging es rapide bergab: 44,5 Milliarden im Jahre 1985; 25,3 Milliarden im Folgejahr; 27,3 Milliarden 1987. Vierzig Prozent der französischen Jahresproduktion werden exportiert; 100 000 Beschäftigte, ein Drittel der in diesem Wirtschaftsbereich Tätigen, arbeiten für die Ausfuhr.

Der jähe Auftragsrückgang der letzten vier Jahre wird in den Chefetagen mit Besorgnis vermerkt. Immerhin ist der Anteil der Waffenproduktion bei den großen französischen Technologieunternehmen beträchtlich: 86 Prozent sind es bei Daussault-Breguet, 68 Prozent bei Thomson-CSF und 62 Prozent bei Aerospatial. Zum erstenmal seit vielen Jahren rechnen einige dieser Firmen für das Jahr 1988 mit Entlassungen, ja mit der Schließung ganzer Fabriken.

Zwar war im ersten Halbjahr 1988 ein Aufschwung zu verzeichnen: Auf 20 Milliarden Franc, acht mehr als im Vergleichsraum des Vorjahres, belief sich der Wert der Waffenausfuhren. Doch kehrt dies den allgemeinen Trend nicht um. Denn die französische Rüstungsindustrie hängt zu sehr von Kunden ab, die – wie im Nahen Osten oder Lateinamerika – entweder bereits ihre Arsenale aufgefüllt haben, knapp bei Kasse oder politisch instabil sind.

Die Rüstungsindustriellen Frankreichs beschönigen diese Schwierigkeiten mit den starken Schwankungen des Dollarkurses und der Hartnäckigkeit, ja gelegentlich der Brutalität der internationalen Konkurrenz. Aber in Wahrheit hat die französische Rüstungsindustrie sich auf früheren Erfolgen ausgeruht und, weil sie bei Forschungsausgaben und der Modernisierung ihrer Industrieanlagen knauserte, darauf verzichtet, rechtzeitig ihr Warenangebot zu erneuern. Gleichzeitig drängten neue Produzenten und neue Technologien auf den internationalen Rüstungsmarkt. Die Konkurrenz wurde schärfer, der Markt enger.

Lange Jahre hat Frankreich sich in der Rolle des „lachenden Dritten“ gefallen, weil es die Vormachtstellung der beiden Supermächte dadurch ausglich, daß es ohne Vorbedingungen Waffen an Staaten lieferte, die in ihrer Entscheidungsfreiheit möglichst unbeschränkt bleiben wollten. Auf diese Weise versuchte Frankreich, diplomatische Beweglichkeit und kommerzielle Präsenz zu verbinden.